Ein frischer Luftzug rührt das Laub draußen und bebt in den Gardinen. Allmählich, leise wechselt das Licht. Und nun liegt es wie ein verlorenes Frühdämmern drüben über den Bäumen, auf dem Tisch vorm Fenster, an den Wänden hin. Oben verbleichen die Sterne am klaren Himmel. Von den Höfen her krähen die Hähne, und unten im Garten zwitschern die Stare ins Morgengrauen.

Ich hör alles wie in einem schwindenden Traum. Und nun deutlicher, bestimmter, wie es rings um mich her erwacht in den hellen, aufsteigenden Morgen hinein. Und die frohe, kräftige Sicherheit des Tages kommt über mich. Eine süße Müdigkeit drückt mir die Augenlider. Noch ein paar Stunden Schlaf; dann wird mir mein Frühstück schmecken, und dann werd ich mich draußen der lieben Sonne freuen, offen den Freuden und Leiden des Tages, geschickt beide zu ertragen; und Stunden werden kommen, Stunden, da sie mir beide gering sind …

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Dämmerstunde

Dieses Nest und immer wieder nur dieses Nest! Jawohl!… Denn dieses Nest ist die Welt, ist alles in allem; ebensogut wie euer Berlin da oder sonst ein Erdenfleck!

Herrgott! War ich denn wirklich so naiv? Glaubte ich, es gäbe hier nur Blumen, Berge, Getreidefelder und Wiesenwässerchen? Ich könnt es mir hier im Grün und in der Sonne wohl sein lassen? Mich »erholen« und – nur erholen?

Da lag ich und wußte besser Bescheid.

Aber es gab mich doch endlich ein wenig frei, das Entsetzliche, Abscheuliche, das ich heute erleben mußte. Endlich! – Bis hierher hatte es mich verfolgt, in diese stille Dämmerstunde.

Wie wohltuend, wie beruhigend alles um mich her.

Die Abendschatten wachsen. Dunkler und dunkler. An den Wänden schieben sie sich in die Höhe, oben über die Zimmerdecke und unten über die weißen Dielen. Verstohlene Lichter spielen wunderlich hinein.