Eine Lehne glänzt aus dem Dunkel auf. Goldig schimmert ein Stück Bilderrahmen. Die Gardinenkanten werden wunderliche Gesichter, die sich dehnen und zusammenziehen. Aus Licht und Schatten wird um Schrank, Tisch und Stühle, überall um mich her, ein stillgeheimes Leben wach.

In zarten, opalfarbenen Ringen windet sich der Rauch meiner Zigarette hier vom Sofa durch die stille Dämmerung gegen das offene Fenster hin. Auf dem Tisch davor knistert und wispert es in den Papieren.

[pg 65] Müd verebbt das Leben um mich her in die stille Nacht hinein.

Ein fernes Hundegebell. Ein paar verzitternde Glockenklänge. Ein Ruf. Eine Fledermaus, die schwarz am Fenster vorüberhuscht mit zittrigem, weichem Flug. Ein Nachtschmetterling, der gegen die Scheibe purrt. Ein Vogelruf. Das leise, leise Rauschen unten vom Garten her. Ein verloren hergewehter Blumenduft. Zwei Sternchen, silbern aufflimmernd in dem zartlila Stück Himmel, stet und still, oben zwischen den Gardinen.

Und die köstliche, atmende Kühle …

Und die Schatten wachsen und wachsen. Und der Mond und die Sterne leuchten herein mit dem stillen Abglanz unbekannter Welten …

»O Trost der Welt, du stille Nacht!«

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Jetzt konnt ich’s auch ertragen, wieder daran zu denken. Es war mir nun wie traumhaft.

Gegen vier Uhr am Nachmittag war es gewesen, als es draußen Lärm gab. Wie ich hinaussehe, wälzt sich schreiend und gestikulierend ein Knäuel Menschen die Gasse herab. Vorweg wackelt neben dem Schulzen, der ein sehr verlegenes und ärgerliches Gesicht aufgesteckt hat, der alte Walleyser, der Dorfpolizist, in seiner verschossenen grünen Uniform, das Gewehr über die Schulter gehängt, mit seiner großen Schirmmütze und seinem gemütlichen dicken Bauch. Die hohe Obrigkeit sollte wohl wieder mal Rat schaffen …