Schnaufend stolpert er vorwärts mit seinen kurzen Beinchen, [pg 66] umdrängt von der aufgeregten Menschenmasse, ganz verwirrt von den vielen Armen, die vor seiner friedlichen Schnapsnase umherfuchteln.

Und so quetschte sich der ganze Knäuel, bunt und wirr, nebenan zwischen den grellweiß gestrichenen Türpfosten durch in den Hof des Kossäten. Der Schweif Kinder hinterher, barfüßig und strubbelköpfig, blieb draußen und umlungerte die Tür.

Ich warf schnell meine Feder zwischen die Papiere, griff nach meinem Hut und machte mich hinüber … Nun! Auch aus Neugier …

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Wie ich auf dem Hof ankam, drängte sich alles mit vorgerecktem Hals, dicht neben der Tür zum Wohnhaus, im Halbkreis um etwas herum. Bunte Weiberröcke; schmutzige, erdfarbene Mannskleider; Hemdärmel, blendend weiß in der Sonne; zerfurchte, bronzebraun gebrannte, knochige, breite Gesichter; geballte Fäuste und ausgereckte braune Arme; Geschrei, Heulen, Fluchen, Drohen, Schimpfen und Zetern.

Ich zwängte mich durch bis in die vorderste Reihe, halb betäubt von dem Lärm, wie sie erklärend auf mich einschrien und losgestikulierten, halb erstickt von dem Schweißgeruch so vieler Menschen in der glühend heißen, drückenden Prallsonne.

Und da sah ich’s denn, das Furchtbare, Scheußliche, über alle Beschreibung Entsetzliche …

Dicht neben der Tür auf einer sauber gescheuerten Wassereimerbank lehnte ein Wesen gegen die gelbgestrichene Hauswand, [pg 67] ein Wesen … O Herr mein Gott! Dieses mit fahlgelber, dreckstarrender Haut und stinkenden Lumpen umschlotterte Scheusal war nun ein Mensch, ein menschliches Wesen! – Im Schädel – ein mit Haut überzogener Totenschädel – tief in den dunklen, runzligen Höhlen ein Paar rote, triefende, gegen die Hundstagssonne zwinkernde Augenritzen. Ein tief eingesunkenes, zahnloses Maul. Auf dem halbkahlen Kopfe, der über und über von dickem Schmutz und schuppigem, blutigem Schorf starrt, ein paar weiße Haarsträhnen in die Stirn mit den tief eingesunkenen Schläfen. In den Kleidfetzen dicker Stallmist und fauliges Stroh. Der eine Ärmel ist ganz herausgerissen, so daß der runzlige, stockdürre Arm bloßliegt. Unten vor, kraftlos baumelnd, ein Paar entsetzlich abgemagerte, nackte, verkrüppelte Füße. Und das alles hell und grell in der erbarmungslosen Sonne, so daß sich jede Einzelheit aufdrängt …

Ich erfuhr: Das arme Wesen war die Mutter des Kossäten. Es war bekannt, daß es die arme Frau schlecht hatte. Sie war zu zäh und war doch, kindisch und blöde in ihrem hohen Alter, zu nichts mehr zu gebrauchen, überall im Wege. Sie wollte nicht früh genug sterben. Und sie hatte sich doch ihr ganzes mühseliges Leben hindurch gehörig abplagen müssen und Ruhe reichlich verdient, ein bißchen Ausruhen in ihrem Alter …

Seit langem hatte sie niemand mehr zu sehen bekommen. Das war weiter nicht aufgefallen, denn die paar Leute, die hier ein und aus gingen, hatten keine Zeit, sich nach ihr zu erkundigen, und auch kein Interesse.