Cui bono? Die schöne Welt auf ein paar schändlichen Papierwischen schamlos zu verhunzen? Neunmal hast du recht! Ein Unsinn ist’s, ein Fieber, ein Wahnsinn! Ich begreife mich selbst nicht …

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Wie unschuldig sie dastehen, die perlenden, glatten Sätze in ihrer sauberen, reinlichen Schwärze! Als wäre nichts gewesen, gar nichts gewesen! Als wären sie das leichte, müßige Spiel müßiger Stunden!

Ach, ich kenne ihre Geschichte, die Geschichte jeden Satzes, jeden Wortes!

Mit welch neunmalverfluchtem, töricht vergossenem Schweiß sind diese paar lumpigen Zeilen da erkauft! Wie viel Anläufe, wie viel saueres Ringen, wie viel Verzweiflung und Entmutigung! Wie viel fiebernde, wilde Freude! Und wer dankt einem das alles? Wunderlicher Wahnsinn!…

Wie viel Wonnen! So schmerzlich in ihrer Überfülle! Wenn ich ein Stück Leben endlich gefaßt hatte, wenn ich es selbst [pg 77] war und schrieb und schrieb, bis ich am Abend zusammenbrach wie ein übermüdetes Lasttier. Wenn es mir nachts den Schlaf raubte, mit bunten Träumen, mit lebendigen Gesichten, bis der erste Morgen rot über den grauen Mietkasernen aufdämmerte!…

Wie viel Ermattungen! Zeiten, wo es bei vergeblichen Anläufen mich durchfuhr: du kannst nichts mehr, bist tot, abgeschmackter als der fadeste Ignorant, einfältiger als der blödeste Idiot! Zeiten, wo mich die vier Wände meines Zimmers engten wie ein Grab; wo es mich tagelang durch die Straßen trieb, daß ihr rauschender Lärm, ihr wirres, wunderliches Leben meine Verzweiflung übertäube, wo ich neidisch hinter einem jeden Philister herschlich, der im dumpfen Gewohnheitsgleis sein tägliches Pensum heruntergehaspelt hatte. Wie ich ihn achtete und mich so niedrig, so unnütz fühlte!… Bis dann wieder das andere kam! –

Und so fort und fort!

Ja ja! Die alte Geschichte! – Aber ich meine nur: keiner wird ja gescheit von uns, keiner! Von uns geistigen – Luxusmenschen …

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