Wir lächeln darüber, wir, »les soldats les plus convaincus du vrai«, wir Arbeiter und Experimentatoren, Positivisten, Objektivisten und Dokumentensammler in unserer werktagstolzen Bescheidenheit.

Es ist nicht zu deuteln: die Alten meinten’s, wie sie’s sagten. Unser Verstand aber ist klar und unsre Einsicht reifer. Wir sind so schlicht, und jedes Pathos macht uns lachen.

Ach, ach! Ob man nicht aus seiner Not eine Tugend macht? Wie ist’s mit dem Fuchs und den Trauben?

[pg 79] Hier in meiner stillen Einsamkeit kommen mir so allerlei Gedanken.

Wenn ich jetzt so in all dem Papierkram blättere, mich hier als kaltblütigen Positivisten finde und dort, wie ich ein gut Stück mit den Psychologen und Moralisten gegangen bin, merk ich erst so recht, wie ich doch getappt und getappt bin. Oft meint ich, ich hätte ein Ganzes, Rundes: und nun ist es Stückwerk.

Ach wir, die wir prompt unsre Analyse vollziehen und selbstbewußt hinzufügen: keine Hexerei!

Zwischendurch spür ich aber doch, wie ein Verborgenes, Niedergehaltenes sich regte und frei werden wollte und wohl auch hier ein Zweiglein trieb und da. Etwas, das keine Selbstzufriedenheit kennt gegenüber dem alten, wunderbaren Rätsel, das nur mit einem beseligt: mit einem frommen Staunen …

Und ich weiß nicht: das gibt mir jetzt einen Trost, als könnte ich damit noch eine große, schöne Zufriedenheit in der Zukunft finden.

Etwas Ganzes, Rundes herausschaffen aus einem gesunden, kräftigen Empfinden, aus einer umfassenden, sicheren Stimmung herausgestalten, die einen trägt und treibt vom Beginn bis zum Ende. Die Welt wiederzugeben, wie sie Empfindung und treibendes, quellendes Leben in einem geworden, ohne zu deuteln und zu urteilen, zu verdammen und zu preisen. Kein kluges, kaltes Beobachten: mit seinem Empfinden aufgehen mitten im Leben, es selbst werden. Farbe sein, Ton, Licht, eigener und fremder Schmerz, eigene und fremde Lust, jede Leidenschaft, wie sie in schlichter, natürlicher Kraft sich äußert. Ganz selbst und doch seiner [pg 80] selbst entledigt sein: das ist das Pathos, mit dem einen die Welt erschüttert und sänftigt wie mit einem religiösen Schauer.

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