So gehen die Sekunden, die Minuten. Langsam. Lastend. Bleischwer.

Ewig da drüben, über den Ziegeldächern, dieser dumme, räudige Kalkbrennereischornstein! Ewig diese sanften Hügelchen mit ihren Kirschbäumchen! – Wie mir das über [pg 85] ist! Wie gründlich zuwider! – Wie quälend ich das alles auf einmal in seiner ganzen, stummen, stillzufriedenen Enge empfinde! –

Langeweile, ja! – Nichts als Langeweile! –

Wie Blei liegt’s mir in den Adern, der Mund trocken, und die Augen brennen. Ich mußte etwas haben, das mir das Blut rollen ließ. Und so, in einer tollen Anwandlung, macht ich mich hinaus in das Wetter, auf die Berge.

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Eine graue, schaurige Einsamkeit da oben.

Die Wolken rasen über mir hin. In schweren, graublauen Ballen unter einem gelben Dunst. Tief, in schleifenden Fetzen. Fern von unten donnern die Talmühlen aus dem feuchten Nebel herauf, mitten zwischen das Winseln und Knattern des Windes; und durch die Gräserchen und das nasse Kalksteingeröll zu meinen Füßen, die Hänge hin, geht ein feines, scharfes Pfeifen.

Rings verwischt’s den Horizont mit dicken Nebeln.

Gegen den stauenden Wind ring ich mich vorwärts. Meine Backen und Hände brennen von den feuchtkühlen Schauern, die mir in kurzen, scharfen Stößen entgegentreiben.

In der weiten, trüben Öde raunt’s an mir vorüber wie mit hundert verborgenen Stimmen. Wie eine vieltönige dunkle Weise.