Aber, gottlob: sie sind wirklich solche unantastbar sicheren Ausmachungen! Die von der Embryologie geleisteten Feststellungen zunächst stehen über jedem Zweifel. Die organische Ontologie, die Entwicklung des Tieres und des Menschen vom befruchteten Ei bis zur Geburt, die Übereinstimmung der wichtigsten Phasen dieser Entwicklung ist ein für allemal festgemacht. Erreichte ein Darwin und Häckel aber außerdem eine sichere phylogenetische Ausmachung und erwies sich die vollständige Übereinstimmung der wesentlichsten phylogenetischen Phasen mit den ontogenetischen, so bedarf es hier wahrlich keines weiteren und besseren Beweises mehr.
Man erhebe doch nicht den Einwand, daß verschiedene Stufen und Übereinstimmungen in der ontologischen Entwicklung sich nicht auffinden ließen, oder daß auch in der phylogenetischen Stufenfolge eine lückenlose Geschlossenheit sich nicht erreichen lasse! Das kann der Entwicklungstatsache, wie sie von der Biologie festgestellt worden ist, keinen Augenblick einen ernstlicheren Abbruch tun. Das tatsächliche Vorhandensein bestimmter Stufen und ihre Übereinstimmung in Ontologie und phylogenetischer Entwicklung steht über jedem Zweifel, und das ist die Hauptsache. Die Ausfälle, die noch bestehen bleiben, werden sicherlich niemals restlos zu ergänzen sein; aber es benötigt ihrer auch gar nicht. Es bedeutet die verhängnisvollste Kurzsichtigkeit, zu meinen, daß nichts erreicht wäre, weil sie noch nicht ergänzt seien. Man wird sie ja genau so wenig ergänzen können, als man etwa jemals imstande sein wird, alle Atome des Universums Stück für Stück abzuzählen und festzustellen. Aber hängt davon irgend etwas wesentliches ab?
Eine nicht minder verhängnisvolle Kurzsichtigkeit bedeutet es aber ferner, wenn man meint, es sei noch gar nichts sicheres hinsichtlich einer Tatsächlichkeit der organischen Entwicklung ausgemacht, weil man die eigentliche Übergangsstufe von der anorganischen Kristallisation zum Protoplasma noch nicht gefunden habe.
Man wird sie sicher niemals finden, und es bedeutet völlig unnütz vertane Zeit und Mühe, nach ihr zu suchen in der Meinung, daß erst durch ihre direkte Auffindung der einheitliche Zusammenhang zwischen anorganischer und organischer Welt erwiesen sei.
Er ist vielmehr bereits vollkommen ausreichend und exakt erwiesen mit der festgestellten Übereinstimmung oder Berührung der äußersten Grenzgebiete der höchsten anorganischen Kristallisation und dem Protoplasma, oder dem noch vor diesem im heißen Urmeer bestehenden Mycocem, das die giftigen Säuren und Salze seiner Umgebung vertrug, während das Protoplasma in ihnen noch nicht existieren konnte.
Das Problem des Zusammenhanges zwischen anorganischer und organischer Welt und der Aufstieg der organischen Entwicklung aus der anorganischen ist übrigens sogar für jeden Laien sofort mit der unmittelbaren schlichten Tatsache gelöst, daß der pflanzliche, tierische und menschliche Organismus aus anorganischen Elementen besteht und daß er diese in Gestalt von Nahrung und in anderer Weise jeden Augenblick bedarf und in sich aufnimmt.
Es verhält sich also mit unantastbarer Sicherheit so, daß der ausgebildete menschliche Organismus sich bis zu dem Urelement zurückführen läßt. Denn bis auf dies ist es ja neuerdings der Chemie gelungen, wie die anorganische, so alle Entwicklung zurückzuführen.
Daß die Chemie das Urelement als solches niemals wird darstellen, reproduzieren, finden können, besagt wiederum ganz und gar nichts. Es wird ihr direkt ewig unzugänglich sein, weil es eben im allgemeinen kosmischen Bestand direkt auffindbar nicht lokalisiert ist. Niemals wird es möglich sein, den »Weltäther« direkt zu untersuchen, und wäre das Urelement etwa im Inneren des allgemeinen kosmischen Zentralkörpers lokalisiert, so würde es auch hier direkt unerreichbar sein; selbst wenn es sich um das Innere der Erde handeln sollte.
Was nun aber die Einheit und Erhaltung der Kraft anbelangt, so ist sie erstlich bereits in sehr zureichender Weise ausgemacht, andererseits aber ergibt sie sich, was bis daher, so einfach es ist, noch nicht genügend berücksichtigt wurde, mit jeder Sicherheit aus dem Bestand und der Tatsache der kontinuierlichen Entwicklung der anorganischen und organischen Welt.
Ist Kraft von Substanz nicht ablösbar und besteht sie nicht selbständig neben dieser, so hat sie, da die Substanz sich einheitlich entwickelt, auch ihrerseits eine einheitliche Entwicklung. Um so mehr, da doch sicherlich gerade sie es ist, welche diese Entwicklung erst auswirkt und ausbaut!