Weiter aber: dieser ins Fleisch geborene alleinige Gott hat als »Sohn« und Christus wieder eine ganz bestimmte Elite von Aposteln und männlichen und weiblichen Heiligen bei sich!

Was besagt dies alles aber anderes, als daß die Umwandlung und vergeistigende Ausgestaltung des Gottesbegriffes die alte religiöse Prämisse und Grundtatsache in Wahrheit nicht aufgehoben hat, sondern daß sie nach wie vor vorhanden ist und zu Recht besteht, nur in erweiterter, vertiefter, vergeistigterer Form und mit ihrem weitesten Umfang vertrauter? Daß aller elementar materielle Weltumfang im Grunde ein geistiges Sein und Einwesen ist, welches aber in einem organischen Individuum und seiner Elite und zugleich als dieses Individuum und seine Elite und als sein gesamter organischer Umfang sich selbst in Erscheinung bringt, lebt und auswirkt?

So daß also nach wie vor in allem wesentlichen alles beim alten ist und sich auf einer höheren und höchsten Stufe lediglich erst recht und ganz bekräftigt!


Aber das »Dogma« von der Gottgeeintheit, von der Göttlichkeit Christi, will sagen dieses durch die Stufen der organischen Entwicklung herauf sich umwandelnden organischen Individuums und seiner Elite, wird ja heute von der exakten Wissenschaft angefochten! Es heißt, der Christus sei »nur ein Mensch,« wenn auch der edelste und vollkommenste Mensch gewesen. Und überdies hat die exakte Wissenschaft mit den Ausmachungen ihrer empirischen Methode, scheint es, die Bedeutung, die der Mensch ehedem sich selbst, bezw. jenem Individuum und seiner Elite zusprach, ein für allemal zunichte gemacht. Sie stellt in Abrede, daß der Mensch ein göttliches und unsterbliches Wesen sei; sie glaubt nachgewiesen zu haben, daß er stattdessen nichts sei als ein vergängliches Produkt der Elemente und Kräfte, daß diese ihm gegenüber das dauernde und absolute seien, daß sein Geistiges, seine Seele nichts sei als eine mechanische Komplikation von Stoff und Kraft, von ihnen vollständig abhängig oder wohl gar von hundert Zufälligkeiten. Seit man zu der Annahme eines räumlich unendlich ausgedehnten Kosmos gelangt ist, und dieser Kosmos von unendlich vielen Welten und Systemen ausgefüllt ist, ist der Mensch, sowohl in seiner Gesamtheit als Menschheit wie als einzelner Mensch – und auch menschlicher Urahn, wie alle Gottmenschen, die seither gelebt, neue organische Sozietätsgebilde oder Religionen gegründet haben – fast zu einem Nichts, zu der erbärmlichsten aller Vergänglichkeiten geworden.

Die bisherige religiöse Prämisse und Grundtatsache, die Tatsache ewiger Ahnen und Götter und eines ewigen Ahnen und Gottes scheint also dennoch in Wegfall gekommen zu sein.

Indessen, wir berühren hier lediglich die ganze Fragwürdigkeit, die den Ausmachungen der sogenannten exakten mechanistischen Wissenschaft anhaftet und die brennendste Krise, in der sie heute steht!


Gehen wir darauf jetzt näher ein.

Wir wissen: Die exakte Naturwissenschaft ist nicht blos eine technisch-praktische, sondern auch eine religiöse und erkenntnistheoretische Funktion.