Logos.
Es war bei der alten Lehmmauer, die sich lang am Gipfel des Klosterberges hinzieht, in dessen Tiefe, ganz in der Nähe der Schloßumwallung, sich der herrliche Klostergarten breitet. Da traf ich mit dem „dummen Joseph“ zusammen. — Der „dumme Joseph,“ das alte Inventar der Stadt, der Ortsidiot. Eine gute harmlose Seele; nur daß er sich ab und zu seinen Rausch antrinkt. Er haust in einem Winkel des städtischen Armenhauses und verdient sich seine paar Pfennige zum Schnaps durch allerlei Gelegenheitsarbeiten.
Mit seinem chokoladenbraun verwitterten Gesicht, in der olivigen Jacke, in Lederhosen und barfuß, eine alte dicke Wintermütze auf dem Kopf, unter der ihm der Schweiß an den vorlugenden graumelierten Haarspitzen in dicken Tropfen herniederrann, kam er mir entgegen und schob auf einem Schubkarren einen gewaltigen Petroleumballon vor sich her. Augenscheinlich war er, ob infolge eines kleinen Spitzes oder weil die Bälge ausnahmsweise mal nicht hinter ihm her waren, außerordentlich aufgeräumt. Denn schon von weitem hatte ich ihn brüllen hören und war bald zu der Annahme gekommen, daß das Gesang bedeuten sollte: nur war es mir noch nicht möglich gewesen, irgend so etwas wie einen Text wegzubekommen. Als ich indessen bei der Lehmmauer mit ihm zusammentraf, da hörte ich, wie er nach einer fürchterlichen Gassenhauermelodie immer ein und dieselben vier Worte sang. Und wie wir schon, er nach der Stadt, ich nach der Schloßgrabenbrücke zu, ein ganzes Stück auseinander waren, hörte ich immer noch die vier Worte:
„Mein Ziel ist Gott! — Mein Ziel ist Gott! — Mein Ziel ist Gott!“
Was?! — Der See?! —