Meister Schwalbe, der sein Sechzigstes hinter sich hat, sitzt neben dem großen Tisch, auf dessen grün auf schwarz geblümtem Wachstuchüberzug noch das Geschirr und die Überreste des Vesperkaffees stehen. Er hat seine Hauskappe auf und die Kurzpfeife in seinem graumelierten halb schalkhaften, halb gelassen-würdevollen Altschäfergesicht und pafft bedächtig vor sich hin. Im übrigen ist er in seinem Arbeitsornat und hat die blaue Leinenschürze über die blaugestrickte Wolljacke geknüpft. Um ihn herum kräuselt sich ein graugelbes Gewölle von Stuhlrohr und vor sich hat er einen Stuhlsitz, den er neu überflechtet. — Sein steifes Genick dabei! Diese behaglich langsamen aber zwecksicheren Bewegungen! Diese tiefe, ruhige Kehlbaßstimme, vom Paffen unterbrochen und hin und wieder ein wenig zischend und brodelnd, weil ihm seine Rauchthätigkeit den Speichel zusammenzieht ...

Kurz und gut: der prächtige brave alte Meister Schwalbe, Turmwächter, Stuhlflechter und untrüglicher Wetterprophet! —

Aber mit hinaus kommen wird er erst nachher, wenn er seinen Stuhl fertig hat. Ich mache mich auf den Balkon...


Da haben wir das ganze Nest, halb Stadt, halb Dorf...

Die Straßenzeilen mit dem Gewinkel ihrer Häuserchen. Die paar Menschen dazwischen. Schläfriges Geratter von ein paar Lastwagen. Der friedliche Lärm spielender Kinder, Hundegebell und Gänsegekreisch.

Der Marktplatz unter mir mit seinem Brunnen und seinem höckerigen grasdurchwachsenen Pflaster. Die alten Honoratiorenhäuser. — Liebe Zeit! wie ist das alles so klein, so still, so mollig, so unpathetisch! —

Das Gelände draußen mit seinen Feldern, Chausseen, Obstbaumwegen und glitzernden Gewässern; die Berge mit ihren Wäldern; das Schloß mit seinen Türmen und Umwallungen aus den dichten herbstlichen Laubmassen heraus. —

Vogelschaugedanken! —