Sie lenken sich heute mal auf die „Profession“, auf die liebe „Kunst“. — Die „paysage intime“ von Meister Sommerfeld, des Buchbinders, Hof, in den ich gerade so recht schön hineingucken kann, giebt ihnen ihre Richtung.

Natürlich so ein richtiger kleinstädtischer Hof mit dem Idyll seines ganzen romantisch-pittoresken Kleinkrams. — Die getünchten Wände des Wohnhauses und der Stallgebäude mit einem unendlich verzwickten Gewinkel, mit ihrem närrischen verwitterten Ziegeldachwerke, mit ihren blaugrauen Holzgallerien, mitgenommen von Wind, Luft, Sonne und Regen. Der Düngerhaufen, das bunte Hühnervolk, allerlei wunderliches Gerümpel, Gott! und so weiter.

Ja, wie so allmählich das Pathos stirbt und das al fresco und die „Höhenkunst“ heutzutage! — Wie alles intim wird, Farbe, Nüance, Seele, sich differenziert! — Wie die liebe Kunst immer heimischer wird, irdischer, wirklicher! — Und doch, wie bei allem selbst die Würde und Bedeutung des „Geringfügigen“ und „Häßlichen“ mehr und mehr empfunden wird, zu Tage tritt und die Ästhetik immer siegreicher revolutioniert! — Wie unsre Kunst aus sich selbst heraus immer asiatischer, östlicher, fertiger wird! — Ich denke an einige japanische Gesichtsmasken, die ich zu Hause habe, und an unsre heutige Vorliebe für dergleichen Kunstprodukte, und wie wir diese Weise von Kunstbethätigung immer mehr verstehen lernen. — Diese Kunst mit dem ganzen mystischen Zauber ihrer Realistik, ihres fertigen, alles erraffenden, alles erfühlenden Naturalismus, und wie seine, des verachteten, identische Wirkung immer eindringlicher wird, denn alle Entwicklung führt zur Identität. — Die lyrische Emphase eines jahrtausendelangen Kulturkampfes läßt nach, wie er sich nach den letzten Entwicklungsstürmen des Mittelalters immer mehr gefriedigt hat und seiner Früchte und Erfüllungen froh zu werden beginnt...


Ich sitze und spüre nur so, wie köstlich frisch die Luft geht, wie klar und blau der tiefe Himmel, und fühle den Pulsschlag des Lebens rings unter meiner Höhe und sehe die Seele dieses kleinen Nestes, die im Kleinen und Malerisch-Krausen doch so mystisch intim und mannigfach ist. — Denn was besagt Alltäglichkeit? Alles ist rätselhaft, alles das gleiche Problem und dies Problematische ist auch der Untergrund und die heimliche, schlichte, tiefe Seele moderner Kunstwirkungen...


Aber Philosophieren ist uns so über geworden. Es ist ja nun auch nachgerade seit Jahrhunderten und Jahrtausenden alles, aber auch geradezu alles zusammenphilosophiert worden. Es kommt einem alles so rund und so fertig vor. —

Mein lieber Lynkeus, Meister Schwalbe, setzt sich zu mir mit seiner Pfeife und seinem weisen gelassenen Gesicht, in dem so viel still-kluger Humor ist, und es ist über alles Philosophieren, wenn wir vom Wetter sprechen, oder von den lieben Nachbarn, oder was hier und dort so alles in der Welt passiert. — Lieber Gott ja: aller Weisheit Schluß und Anfang ist eben, daß die Leute sich verheiraten, Kinder kriegen, wirken und sterben von Urbeginn zu Urbeginn...