Nein, kein armer Trost reicht an dieses Geheimste des Meisters heran. Und Johannes verstummt vor diesem Rätselgesicht unenthüllbarer Einsamkeit. —
Um die Kalkhänge von Moriah herum, tief unter den hohen Tempelzinnen oben auf dem Hügel, von dem die Woge der weißen Dächer herabflutet, biegt der Meister zwischen den letzten Häusern hervor in den Fußpfad ein, der in weiter Biegung zum Ufer des Kidron hinabführt.
Totenstill weitet sich die ahnungsvoll dämmernde Mondnacht mit ihren wenigen großen Sternen. Nur fern von der Vorstadt her trägt die Nachtluft das Gekläff der Schakale herüber. Unten vor ihnen plätschern die hellgleißenden Wellen des Kidronbaches und murmeln und rauschen im eiligen Gefälle zwischen den Laubmassen der Olivenhaine hin, die sich drüben von den sanften Höhen des Ölbergs anmutig in das liebliche Thal hinabziehen. Palmengruppen ragen daraus hervor mit ihren hohen, schlanken, mondschimmernden Schäften und tauchen mit ihren breiten, hängenden Kronen hinein in die strahlende Klarheit der Höhen.
Nach kurzer Wanderung stehen sie vor dem Hof Gethsemane, des Meisters stillem Lieblingsort.
Vor dem Hain hemmt er seine Schritte und heißt die kleine Schar verweilen und seiner warten. Nur seinen lieben Brausekopf Petrus, den stilltreuherzigen Jacobus und den jungen Johannes wählt er sich, daß sie ihm folgen und tritt mit ihnen in die heilige Dämmerung des Haines. Bald aber läßt er auch sie zurück und ist ihnen im Dunkel seiner heimlichen Einsamkeiten verschwunden...
Allein!...
Mit wankenden Knieen bricht er zusammen. Und der Menschensohn hebt an zu trauern und zu klagen.
Und er sieht seinen schimpflichen Tod. Er sieht die Richtstätte, den kahlen öden Kalkhügel mit seiner Schädelform draußen vor der Stadt, wo die Verworfensten der Verworfenen ihren schmachvollen Tod sterben.