Im Äther thronte er nun und im Einen, als der Speichel seiner Widersacher von seinen Wangen troff, als ihre Geißelhiebe seinen Leib zerfleischten. Und als man das Purpurgewand eines Spottkönigs um seine Schultern hing, die Dornenkrone auf sein Haupt drückte und das Spottscepter in seine Rechte, da stand er in seiner heimlichen Königswürde, ein Sieger, der nicht von dieser Welt ist.

Wie der Jubel der Heerscharen umbrauste ihn die Wut von Feinden: er aber ihr König, und sie alle sein, der Demut seiner Gelassenheit heimlich mit einem übertobten Staunen unterthan.

So stand er erhöht, die Sinne in die Stille des Einen gerichtet: er, der duldende Kaiser kommender Jahrtausende, der wiederkommen wird, ein Anderer und doch der Immergleiche, als der Eine und Heimliche, der an der großen Weltwende herausgeboren aus dem Einen, einen neuen Wandel beginnen wird.

Denn wenn es hell wird über die Völker hin und wenn eine Unruhe vor übermenschlichen Grenzen erlahmt, dann wird er erstehen...

Jetzt aber stand er über ihnen, mitten unter ihnen und lauschte, gleich und identisch, der unermeßlichen Sprache der Welt, der ewig stummen, er, der Stumme, gleich und identisch sie vernehmend, gleichsam; nur erst ahnend jene Endstille des Einen, von der umarmt, ihr wirklich gleich und identisch er sein neues zeugendes Weltenwort empfängt, jener Endstille, die alles ist und in der alles wogt und verebbt als in sich selbst...


Hinab von Zion durch die Gassen der Bezetha, gegen das nördliche Hochgelände von Golgatha.

Wie Adam wankte er, der neue Adam, traumhaft durch das Ungewiß-Gewisse seinem Schlummer entgegen, aus dem jenem die Gefährtin ward, auf daß beide, zwiefach eine Einheit, Schöpfer einer neuen großen Einheit ihnen gleichender Wesen seien, die sich über die Welt breitet, bis ihre Kraft sich stauen wird an einer neuen, ungeahnten, aus ihr gezeugten.

Aber auf zerfleischten, zuckenden Schultern trug jetzt der Mittler sein Kreuz zwischen den beiden Übelthätern.

Und da geschah es, daß er wieder die Hand des Vaters gewahrte.