Milde trübte sich der Schein seiner Augen, linde vergingen die Schmerzen seiner Wunden hinüber in eine unbegreifliche Wonne; ein Sausen wurde die Welt, und verdämmernd spürten seine Sinne das köstliche Erzittern seiner Glieder und die holden Schauer, die sie umdunkelten. Und er sank...


Aber sein Wille richtete ihn auf, denn er hatte Wehklage vernommen, und als er taumelnd stand, erhellte sich sein Auge für die Deutlichkeit, und er sah das Kriegsvolk, das ihn umgab, die hohen breitgegliederten Germanen, die kleinen bronzefarbenen und dunkeläugigen Syrer, und ein Landmann aus Cyrene trug sein Kreuz vor ihm her. Aber viel klagendes Volk drängte sich hinter ihnen, und er erhob seine Stimme und tröstete sie, insbesondere die Weiber, die weinend ihre Hände gegen ihn reckten.

Und weiter taumelte er mit seinen blutenden Füßen das harte Kalkgeröll des Gehänges hinauf, mit einem zuckenden Lächeln, inmitten der Menge ein Einsamer, auf den sich tausend Sinne richteten, gleichsam ein Wort und ein Gebot erheischend.

Weh zuckte ein Lächeln um seine blutenden Mundwinkel. Denn dann erst, wenn der Geist ausgehen wird, Sein Geist, und die Helle sich über den Völkern entfacht, zur Zeit der Vollendung, wird er sich ganz offenbaren, und er wird ein Bauer sein, der sein Feld bestellt, ein König auf seinem Thron, ein Bettler am Weg, und all und jeder wird der Eine sein und Er, der der Fröhliche war mit den Fröhlichen, der Trauernde mit den Trauernden, und er, der einsam litt...

Unbegreiflich sind die Wege, auf denen er wiederkommen wird, und die Wandlungen, aus denen Geist und Stoff neu Ihn zeugen und hervortreten lassen, heimlichen Kaiser eines heimlichen Volkes, Gewaltigen ewiger Kraft...


Als sie nun aber auf dem Berge waren, standen sie in Gluten, denn der Tag war schwül.

Kriegsvolk und Knechte richteten die Kreuze. Und des Rabbi Kreuz war erhöht über die beiden Schächer. Oben drauf aber stand geschrieben, ein Spott gegen die Juden, von des Landpflegers Hand in dreierlei Sprache: „Jesus von Nazareth, der Juden König!“