Das Geschrei der Menge aber war verstummt. In Haufen stand und lagerte das Volk umher, und ihre dunklen Augen starrten in funkelnder Gier aus den braunen Gesichtern zu dem Meister hinauf, auf sein Sterben, und doch noch mit einem stillen bangenden Grauen das Wunder erhoffend, daß er herabsteigen werde zu seinem Volk, das in Thorheit harrte. Die aber vorn und zunächst dem Kreuze standen und die von der Sekte der Pharisäer und von den Schriftgelehrten waren, schmähten hinauf in seine Qual.

Weit ab zur Seite aber stand zagend das Häuflein derer, die er lieb hatte, in deren Mitte ihm die stillen Freuden von Samaria und Galiläa geblüht, als er an den fruchtbaren Gestaden des Sees Tiberias gewandelt und gelehrt: Maria und Maria Magdalena, die Weiber, Johannes auch, sein Liebling, Joseph von Arimathia, ein angesehener Mann, sein heimlicher Jünger, und andere mit ihnen.

Er aber hing einsam in der brütenden, flirrenden Öde, und seine lechzenden Sinne stöhnten aus ihm heraus:

„Mich dürstet!“

Und er ward getränkt...


Danach aber erhoben wieder einige ihre Stimmen gegen ihn. Wieder aber mochten ihnen Zweifel gekommen sein, ob er nicht dennoch der Messias sei, und sie riefen: „Bist du Gottes Sohn, so komm, steig herab“! — Und das Wort drang hinein in die Seele eines der Übelthäter und er schmähte den Meister. Der andere aber wies ihn zurecht in Reue und Glauben, und da er den Meister fragte, da gab der ihm aus der Fülle seiner Leiden das dunkle Trostwort:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“