Materien, in und mit welchen getauft wurde.

Schon im A. Testament, wo die christliche Taufe durch mancherlei Waschungen und die Priesterweihe vorgebildet ist, wird von Gott ausdrücklich geboten, daß dazu nur Wasser verwendet werden soll.[279] Aus den vielen Taufberichten des N. Testaments ist klar ersichtlich, daß die Taufe zur Zeit Christi und der Apostel nur im Wasser vollzogen wurde. So sagt Johannes zu seiner Zuhörerschar: „Ich taufe euch mit Wasser.“ Und von der Taufe Jesu schreibt der Evangelist: „Da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.“[280] Johannes der Täufer taufte zu Enon, weil er daselbst „viel Wasser“ hatte.[281] Ebenso berichtet Lukas, daß die Taufe des Kämmerers, die des Kornelius, seiner Verwandten und Freunde, nachdem sie glaubten, im Wasser vollzogen worden sei.[282]

Aus diesen und anderen Stellen ist zu ersehen, daß in der Urkirche das Wasser das einzige Element der Taufe war, und man findet es auch von den ältesten Schriftstellern als solches bezeichnet, so zum Beispiel von Justin dem Märtyrer (Apol. I, Kap. 61), Tertullian (De Baptismo), Cyprian (Ep. 70, 1), Cyrill von Jerusalem (Dritte mystagogische Katechese, Kap. 5), von Basilius dem Großen, Gregor von Nyssa (Große Katechese, Kap. 35), Gregor von Nazianz, Chrysostomus, Augustin u. a.[283] Da die Kirche aber immer mehr von den klaren Vorschriften der hl. Schrift abging und dafür menschliche Satzungen annahm, zeigte sich’s bald, daß man nicht nur die Wassertaufe als die einzig gültige erklärte, sondern auch solche als rechtmäßige Taufen annahm, bei denen eine andere Materie verwendet wurde als Wasser.

Auf der Versammlung zu Quiercy (wahrscheinlich 754) soll Papst Stephan III. (II.) den Mönchen eines benachbarten Klosters auf 19 Fragepunkte Antwort gegeben haben. Die Antwort auf die 11. Frage ist besonders ihres Inhaltes nach wichtig, da sie für uns einen Beleg dafür enthält, daß auch mit Wein getauft wurde. Es heißt da nach Hefeles Angabe: „Wenn jemand ein todkrankes Kind, weil durchaus kein Wasser zu haben, mit Wein tauft, so soll er nicht gestraft werden, und sie sollen nicht nochmals getauft werden.“[284] Papst Benedikt XII. (1334 bis 1342) erwähnt in einem Brief an König Leo IV. die vielen Irrtümer der Armenier, bei welcher Gelegenheit er ihnen auch die Taufe mit Milch und Wein zum Vorwurf macht.[285] Sogar Speichel wurde zur Taufe oder besser gesagt zum Anfeuchten der Stirn verwendet, denn man erklärte: „Eine Taufe mit Speichel ist ungültig.“[286]

Eine Menge Fragen über die Materie der Taufe findet man, nach Dr. Augusti, in der scholastischen Periode aufgeworfen, die oft zu heftigen Streitigkeiten Anlaß gaben. „Die Materie der Taufe, sagen die Scholastiker, ist das Wasser. Dies bewies man mit zwölf Gründen.... Einige behaupteten wieder, daß man auch mit Erde taufen dürfe, weil es scheine, daß der Mensch darin könne getauft werden, worin Christus begraben worden.“[287] Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob man nicht mit Luft taufen könne, denn „alle Gründe für das Wasser, die eindrückende Kraft ausgenommen, passen ebensogut und noch besser auf die Luft. Sie ist noch reiner und heller, zum Leben notwendiger und noch gemeiner als das Wasser.“[288]

Dr. Augusti schreibt ferner: „Daß man in Lauge (lixivio) taufen dürfe, versicherten viele berühmte Doktoren, wie Astesanus, Inguen, Pelbartus. Ihr Hauptgrund war, daß Wasser, welches durch Asche durchsickere, zwar verändert aber nicht verwandelt werde. Rubio, Paludanus u. a. aber leugneten dies und wollten nicht gestatten, daß in Lauge getauft werde.“[289]

Ferner war man der Meinung, daß man auch in Bier, Honig- und Rosenwasser taufen dürfe; ja sogar Fleisch- und Fischbrühe oder auch Butter und Fett könne dazu verwendet werden. Diese Idee vertraten besonders Thomas von Aquino, Sylvester und Astesanus.[290] Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob man in Schnee, Eis, Hagel, Reif und Tau taufen dürfe. Diese Frage bejahten einige, andere wieder verneinten sie.[291]

Diese merkwürdigen und nicht weniger eigentümlichen Fragen erstreckten sich über die scholastische Periode hinaus, und man findet sie noch zu Luthers Zeit vor. Dr. Augusti schreibt darüber: „Selbst nach dem scholastischen Zeitalter haben diese seltsamen Fragen sich nicht ganz verloren. Es wurde Luther zum Vorwurf gemacht, daß er in seinen Tischreden sich dahin erklärte, daß man im Notfalle auch mit Wein, Milch oder Bier taufen könne. Diese gelegentliche Äußerung aber verdiente um so weniger urgiert zu werden, da Luther in seiner zweiten Taufpredigt (T. VII, ed. Jen. p. 469) sich bestimmt gegen den Gebrauch des Weins, Biers, der Lauge und anderer Dinge, und allein das Wasser als das von Christus verordnete Element der Taufe erklärt.“[292]