Hirten. Der Herr dieser Berge hat uns befohlen, gastfrei zu sein[115], und was wir haben, steht euch zu Gebote.

Ich sah nun in meinem Traum, daß die Hirten, als sie diese Männer als Reisende erkannten, sie fragten über ihr Woher und Wohin, besonders wie es ihnen gelungen sei, dieses Gebirge zu erreichen, da erfahrungsgemäß nur wenige von allen, die sich auf den Weg nach der himmlischen Stadt begeben haben, bis hierher zu kommen pflegten. Alle diese Fragen wurden zu voller Zufriedenheit der Hirten beantwortet, und mit großer Freundlichkeit sagten sie zu den Pilgern: „Seid willkommen auf den lieblichen Bergen!“

Weise, Erfahren, Wachsam und Aufrichtig — dies sind die Namen der Hirten — führten sie in ihre Zelte und bereiteten ihnen ein stärkendes Mahl. Sie baten die Pilger, eine Zeitlang bei ihnen zu verweilen, damit sie besser miteinander bekannt würden und sie sie desto mehr mit den guten Früchten der Berge erquicken könnten. Mit Freuden nahmen sie diese Einladung an, und weil es schon sehr spät war, begaben sie sich zur Ruhe.

Am frühen Morgen wurden sie von den Hirten geweckt, die ihnen die wichtigsten Punkte des Gebirges zeigen wollten. Dazu waren die Pilger gern bereit, und sie genossen, indem sie miteinander dahingingen, die herrliche Aussicht, die sich im Glanz des Morgenlichtes nach allen Seiten hin öffnete. Zuerst kamen sie auf die Spitze eines Berges, der senkrecht in eine große Tiefe abfiel; es war der Berg des Irrtums. Die Hirten hießen sie hinabsehen. Mit Entsetzen wurden sie in der Tiefe Menschen gewahr, die hinabgestürzt waren und zerschmettert am Boden lagen.

Was bedeutet das? fragte Christ.

Die Hirten antworteten: „Habt ihr niemals von solchen gehört, die in Irrtum verfielen, weil sie Hymenäus und Philetus gefolgt hinsichtlich des Glaubens an die Auferstehung der Toten[116]?“

Sie antworteten: „Ja!“

Hierauf sagten die Hirten: „Diese sind es, welche da am Fuße des Berges zerschmettert liegen; sie liegen noch immer unbegraben da und sollen andre warnen, nicht zu hoch zu steigen und dem Rand dieses Abgrundes nicht zu nahe zu kommen.“

Von hier aus bestiegen sie einen andern Berg, den Berg der Warnung. Auf die Anweisung der Hirten, in die Ferne zu blicken, bemerkten sie dort zwischen einer Menge Gräber Menschen umherirren, die wie Blinde keinen Ausweg finden konnten und oft an die Grabeshügel stießen.

Christ fragte: „Was bedeutet das?“