Christ. Ei, warum denn? Erwäge die Sache selber, darüber wir sprachen, und es wird alles gut zwischen dir und mir stehen.
Hoffnungsvoll. Aber höre, lieber Christ, davon bin ich überzeugt, daß jene drei Kerle nichts als Feiglinge waren. Nahmen sie nicht Reißaus, als von ferne menschliche Schritte an ihr Ohr drangen? Warum zeigte Kleinglaube nicht mehr Mut? Meines Erachtens hätte er sich einmal zur Wehr setzen und erst dann ergeben sollen, als ihm keine Hilfe mehr in Aussicht stand.
Christ. Daß sie Feiglinge sind, haben schon viele gesagt, aber wenige haben es auch zur Zeit der Anfechtung gefunden. Großen Mut hat allerdings Kleinglaube nicht bewiesen. Aber ich merke an dir, mein Bruder, daß du an seiner Stelle auch nur einen Angriff gewagt und dann klein beigegeben hättest. Wohl kannst du jetzt, da die Feinde weit von uns sind, von großem Mut sprechen, aber wenn sie dir selber begegnet wären, so würden sie dich schon auch auf andre Gedanken gebracht haben. Bedenke ferner, daß diese herumstreichenden Straßenräuber unter dem König des bodenlosen Abgrunds dienen, der ihnen, sooft sie’s bedürfen, selber Beihilfe leistet, und dessen Stimme ist wie das Brüllen des Löwen (1. Petr. 5, 8). Ich bin auch einmal wie Kleinglaube von diesen drei Spitzbuben überfallen worden und fand es in der Tat erschrecklich; und als ich mich, wie es einem Christen gebührt, ihnen mannhaft entgegenstellte, war auf ihren Ruf auch gleich ihr Meister zur Stelle. Und wahrlich, ich hätte keinen Heller, wie man zu sagen pflegt, für mein Leben gegeben, wäre ich nicht nach Gottes gnädigem Willen mit einem bewährten Harnisch angetan gewesen. Und ob ich gleich so geharnischt war, fand ich es doch schwer, als ein Mann den Kampf zu bestehen. Kein Mensch vermag zu sagen, was in solchem Kampf einem begegnet, als der ihn selbst bestanden.
Hoffnungsvoll. Gut, aber sie liefen ja, wie du siehst, davon, schon als sie einen gewissen Großgnade auf dem Weg vermuteten.
Christ. Allerdings haben sie und ihr Meister oft die Flucht ergriffen, wenn Großgnade sich nur sehen ließ; das ist auch kein Wunder, denn es ist einer von des Königs Helden. Ich denke, du wirst aber einen Unterschied machen zwischen Kleinglaube und einem dieser Helden. Nicht alle Untertanen des Königs sind auch Helden und können wie jener solche Taten vollbringen, wenn es zum Treffen kommt. Erwartet man von einem kleinen Kind, daß es wie David den Kampf mit dem Riesen Goliath aufnimmt? Oder sucht man bei einem Zaunkönig die Stärke eines Ochsen? Etliche sind stark, etliche schwach; etliche haben einen großen Glauben, etliche sind kleingläubig. Dieser Mann war einer von den Schwachen, und daher leicht zu überwinden.
Hoffnungsvoll. Ich wünschte, daß die Diebe es mit Großgnade selber zu tun bekommen hätten.
Christ. Auch er wäre nicht so leicht Herr über sie geworden; denn obgleich Großgnade seine Waffen vortrefflich zu führen versteht, wird auch er nur solange die Oberhand behalten, als er seine Gegner mit des Schwertes Spitze von sich halten kann. Gelingt es aber Zaghaft und Kleinmut oder einem andern, auf ihn einzudringen, wird es schwer halten, sich vor dem Niederfallen zu bewahren. Und wenn einer einmal daliegt, so weißt du wohl, was er noch ausrichten kann. Wer Großgnade recht genau ins Angesicht sieht, der wird da verschiedene Narben wahrnehmen, die meine Worte bestätigen. Ja, ich hörte sogar, daß er von einem solchen Kampf gesagt haben soll: „Wir verzagten auch am Leben und hatten bei uns beschlossen, wir müßten sterben“ (2. Kor. 1, 8. 9). In welch Trauern, Klagen und Seufzen kam David durch diese schlimmen Gesellen und deren Helfer! Ja auch Heman (Ps. 88) und Hiskia, Helden zu ihrer Zeit, mußten alle Kräfte aufbieten, um im Kampfe mit ihnen nicht den kürzeren zu ziehen, und nichtsdestoweniger wurden sie dabei gewaltig mitgenommen. Petrus wollte auch einst versuchen, was er ausrichten könnte. Aber obschon er der Fürst unter den Aposteln genannt wird, so trieben sie’s doch also mit ihm, daß ihm zuletzt vor einer elenden Magd bange ward.
Ihr König ist überdies ganz nahe und auf ihr erstes Rufen bereit und eilt, wenn ihnen der Untergang droht, wo möglich gleich zur Hilfe herbei. Von ihm steht geschrieben: „Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken; und wenn er daherbricht, so ist keine Gnade da. Wenn man zu ihm will mit dem Schwert, so regt er sich nicht, oder mit Spieß, Geschoß und Panzer. Er achtet Eisen wie Stroh, und Erz wie faules Holz. Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Stoppeln; die Keule achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze“ (Hiob 41, 17-21). Was kann ein Mann in einem solchen Fall tun? Ja, wenn einer Hiobs Pferd dann stets zur Verfügung hätte und Gewandtheit und Mut dazu, es zu reiten, so könnte man wohl große Dinge ausrichten; denn „es stampft auf den Boden und ist freudig mit Kraft und zieht aus, den Geharnischten entgegen. Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht vor dem Schwert nicht, wenngleich über ihm klingt der Köcher und glänzen beide, Schwert und Lanze. Es zittert und tobt und scharrt in die Erde und läßt sich nicht halten bei der Drommete Hall. Sooft die Drommete klingt, spricht es: Hui! und wittert den Streit von ferne, das Schreien der Fürsten und Jauchzen“ (Hiob 39, 21-25). Aber solche Fußgänger wie wir sollten nie ein Zusammentreffen mit dem Feind herbeiwünschen noch denken, daß wir es bessermachen würden als solche, von denen wir hören, daß sie unterlegen sind; noch sollten wir uns kitzeln mit Gedanken an unsre eigene Mannhaftigkeit, denn solche unterliegen gewöhnlich noch am ersten im Streit. Als Beispiel diene uns nochmals Petrus. Wie hatte er sich vermessen; wenn auch alle Jünger den Herrn verließen, wolle er mit Ihm in den Tod gehen, und wer ist durch jene Bösewichter je schmählicher zuschanden geworden als er?
Wenn uns daher solche Räubereien auf der Heerstraße zu Ohren kommen, so laß uns zweierlei beachten:
Erstens müssen wir geharnischt hinausgehen und ja den Schild mit uns führen; denn weil dieser ihm fehlte, konnte er, der so mutig den Speer gegen Leviathan einlegte, denselben nicht bezwingen. Das ist gewiß, wenn wir den nicht haben, fürchtet er sich nicht im geringsten vor uns. Darum sagte einer, der sich auf diesen Streit wohl verstand: „Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichts“ (Eph. 6, 16).