Christ. Hast du es nicht dann und wann versucht, diese quälenden Gedanken von dir abzuschütteln?
Hoffnungsvoll. Suchte ich dieser Unruhe zu entgehen, so wurde sie desto größer, und die Stimme des Gewissens ließ sich desto vernehmlicher hören; wollte ich zur sündlichen Ergötzung zurück, so verdoppelte sich meine Qual.
Christ. Und wie machtest du es dann?
Hoffnungsvoll. Ich dachte, ich müsse mich bestreben, mein Leben zu bessern, sonst würde ich gewiß verdammt werden.
Christ. Und hast du wirklich den Versuch gemacht, dich zu bessern?
Hoffnungsvoll. Ja, ich mied nicht nur meine Sünden, sondern auch meine bisherigen Freunde; ich fing auch an zu beten und zu lesen, ich beweinte meine Sünden, ich bemühte mich, mit meinem Nächsten die Wahrheit zu reden und was dergleichen religiöse Übungen mehr sind, die ich nun nicht alle aufzählen will.
Christ. Und wurdest du dadurch befriedigt?
Hoffnungsvoll. Eine Zeitlang wohl, ich freute mich meiner Besserung; aber plötzlich überfiel mich wieder die vorige Angst.
Christ. Wie kam das, da du dich doch nun gebessert hattest?
Hoffnungsvoll. Diese erneute Unruhe wurde namentlich durch folgende Sprüche hervorgebracht: „Alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid“ (Jes. 64, 5). „Durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht“ (Gal. 2, 16). „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren“ (Luk. 17, 10) und andre ähnliche Stellen. Daraus zog ich nun den Schluß: Wenn alle meine Gerechtigkeit wie ein unflätig Kleid ist, wenn durch des Gesetzes Werke niemand gerecht wird und wir dennoch unnütze Knechte sind, selbst, wenn wir unsre Schuldigkeit erfüllt haben, so ist es ja eine Torheit, daß ich durch die Werke des Gesetzes die Seligkeit verdienen will. Zum Beispiel: jemand ist einem Kaufmann tausend Mark schuldig, auch wenn er nachher alles andre sogleich bezahlt, was er von ihm bezieht, so bleiben doch die tausend Mark im Schuldbuch stehen, und der Kaufmann kann den Schuldner in das Gefängnis bringen lassen, bis er alles bezahlt hat.