Christ. Wie hast du das auf dich selber angewandt?
Hoffnungsvoll. In dem Buch des allwissenden Gottes, so sagte ich mir, stehen alle meine Sünden, steht meine große Schuld verzeichnet. Wenn ich mich nun auch bessere, wer tilgt meine alte Schuld aus Gottes Buch? Wie will ich der Verdammnis entgehen, die ich durch meine früheren Übertretungen verdient habe?
Christ. Das ist eine sehr gute Anwendung, aber fahre bitte fort!
Hoffnungsvoll. Betrachtete ich überdies mein gegenwärtiges Leben genau, so entdeckte ich immer neue Sünden, ich entdeckte Sünden an meinen besten Werken; ich sah mein grundloses Verderben, und mein Herz wollte verzweifeln. Hatte ich mich früher recht gedünkt, so fand ich nun an einem einzigen Werk so viele Sünden, daß sie allein schon mich hätten verdammen müssen, wäre auch mein übriges Leben engelrein gewesen.
Christ. Und was fingst du nun an?
Hoffnungsvoll. Ich wußte nicht, was ich tun sollte, bis mich Getreu entdeckte, den ich noch von früher her kannte. Kannst du nicht, so sagte er mir, die Gerechtigkeit eines Menschen erlangen, der niemals gesündigt hat, so kann dich die Gerechtigkeit der ganzen Welt nicht retten.
Christ. Glaubtest du seinen Worten?
Hoffnungsvoll. Hätte er mir das damals gesagt, als ich an meiner Selbstbesserung Gefallen hatte, so hätte ich ihn wohl für einen Narren gehalten. Da ich nun aber gedemütigt war und die Schwachheit und Sünde kannte, die meinen besten Taten anklebten, so mußte ich ihm wohl recht geben.
Christ. Aber was hast du dabei gedacht, als er dir von einem völlig sündlosen Mann sagte, von einem Reinen unter denen, da keiner rein ist?
Hoffnungsvoll. Anfangs freilich, das muß ich gestehen, klangen mir seine Worte wie ein Märlein; doch wurde ich im weitern Verlauf des Gesprächs vollkommen davon überzeugt.