Christ. Was tatest du denn da?
Hoffnungsvoll. Ja, ich wußte wirklich nicht, was ich tun sollte.
Christ. Kam dir nie der Gedanke, vom Beten abzulassen?
Hoffnungsvoll. Jawohl, unzähligemal.
Christ. Aber wie kam es, daß du es doch nicht tatest?
Hoffnungsvoll. Ich war mir dessen bewußt, daß ohne die Gerechtigkeit Christi mich die ganze Welt nicht erretten konnte. Unterlasse ich das Beten, dachte ich, so muß ich sterben, und das Ärgste, was mir vor dem Thron der Gnade widerfahren kann, ist auch nur der Tod. In diesem Augenblick kam mir das Wort des Propheten in den Sinn: „Ob auch die Erfüllung der Verheißung verzieht, so harre ihrer: sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben“ (Hab. 2, 3). Also verharrte ich im Gebet, bis mir der Vater den Sohn offenbarte.
Christ. Und wie ward Er dir denn geoffenbart?
Hoffnungsvoll. Ich sah Ihn nicht mit meinen leiblichen Augen, aber mit den Augen meines Verständnisses, und das ging also zu: Eines Tages war ich über die Maßen betrübt, die Menge und Größe meiner Sünden beugten mich in den Staub. Von ganzem Herzen hatte ich gebetet, und es kam keine Hilfe. Bin ich verloren? Bin ich auf ewig von Dir verstoßen, mein Gott? Und während ich von solchen Gedanken erfüllt war, dünkte es mich, als ob sich der Himmel öffnete und der Herr Jesus auf mich niederblickte und mir zuriefe: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du selig werden!“ (Apostelg. 16, 31.) „Ach, Herr,“ sagte ich, „ich bin ein großer, sehr großer Sünder.“ Und Er antwortete: „Laß dir an Meiner Gnade genügen!“ (2. Kor. 12, 9.) „Was ist Glauben?“ fragte ich. „Wie soll ich glauben?“ Er sprach: „Wer zu Mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an Mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten“ (Joh. 6, 35). Und ich verstand, daß Glauben und Kommen ein und dasselbe sei, und daß jeder, der sich von Grund der Seele nach der Erlösung durch Jesus Christus sehnt, wahrhaftig an Ihn glaubt. Mit Tränen fragte ich weiter: „Aber, Herr, kannst Du denn wirklich einen so großen Sünder, wie ich bin, annehmen und selig machen?“ Und ich hörte Ihn sagen: „Wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6, 37). Darauf sagte ich: „Aber wie muß ich Dich betrachten, wenn ich komme, damit mein Glaube der rechte sei?“ Er antwortete: „Jesus Christus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen (1. Tim. 1, 15); Er ist des Gesetzes Ende; wer an Ihn glaubt, der ist gerecht (Röm. 10, 4); Er ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen auferweckt (Röm. 4, 25); Er hat uns geliebt und gewaschen von den Sünden mit Seinem Blut (Offenb. 1, 5); Er ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen (1. Tim. 2,5); Er lebt immerdar und bittet für uns“ (Hebr. 7, 25). Aus alledem kam ich zu der Erkenntnis, daß ich die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, allein im Sohn und die Versöhnung für meine Sünden in Seinem Blut suchen müsse; denn alles, was Er aus Gehorsam gegen den Willen Seines Vaters getan, und daß Er die Strafe auf sich genommen, sei nicht geschehen für Ihn, sondern für die, welche solches zu ihrer Seligkeit annehmen und Ihm dafür dankbar sind. Darüber ward mein Herz voller Freude, meine Augen voll Tränen, ich glühte in Liebe zu dem Herrn Jesus Christus, zu Seinem Volk und hatte Lust zu Seinen Wegen.
Christ. Das war in der Tat eine Offenbarung Christi an deiner Seele. Aber sage mir doch, was für eine Wirkung dieses auf deinen Geist hatte.
Hoffnungsvoll. Es ging mir darüber ein Licht auf, daß die ganze Welt, trotz ihrer vermeintlichen Gerechtigkeit, der Verdammnis anheimfallen wird. Ich erkannte, daß Gott der Vater, Seiner Gerechtigkeit unbeschadet, den Sünder, der um Gnade fleht, rechtfertigen kann. Ich blickte mit tiefer Beschämung auf mein Leben, auf meine große Unwissenheit zurück, denn nie vorher hatte ich etwas von dieser Schönheit und Herrlichkeit Jesu Christi geahnt. Ich sehnte mich nach einem heiligen Leben, ich sehnte mich, den Namen des Herrn Jesus zu ehren und zu verherrlichen. Ja, jeden Tropfen Blutes in meinen Adern wollte ich zur Ehre des Herrn vergießen.