4. Dieser Glaube ist betrüglich und wird dich an dem großen Tag der Offenbarung der göttlichen Gerichte zuschanden werden lassen: Denn durch den wahrhaft rechtfertigenden Glauben erkennt die Seele, daß sie durch das Gesetz verlorengeht, und nimmt ihre Zuflucht zu der Gerechtigkeit Christi. Die Gerechtigkeit Christi dient nicht dazu, deinen Gehorsam zu deiner Rechtfertigung vor Gott angenehm zu machen, sondern dich selbst vor Ihm zu rechtfertigen; und diese Gerechtigkeit hat Er uns dadurch erworben, daß Er durch Sein Tun und Leiden an unsrer Statt die Forderungen des Gesetzes erfüllte. Der wahre Glaube nun ergreift diese Gerechtigkeit, und in dieses Kleid gehüllt und so geschützt, wird die Seele Gott dargestellt ohne irgendeinen Makel, von Ihm angenommen und von der Verdammnis freigesprochen.

Unwissend. Wie, Christi Tun und Leiden sollte zu unsrer Rechtfertigung vor Gott ausreichen, ohne daß wir etwas dazu tun? Dann könnte ja jeder nach seinem Belieben in Sünden leben; denn was liegt daran, wie wir leben, wenn wir durch die Gerechtigkeit, welche Christus selbst vollbracht hat, gerecht werden, so wir es nur glauben?

Christ. Unwissend ist dein Name, und unwissend bist du auch. Eben deine Antwort bestätigt meine Worte. Unwissend bist du in dem, was rechtfertigende Gerechtigkeit ist, und ebenso unwissend darin, wie du durch den Glauben an dieselbe deine Seele vor dem Zorngericht Gottes retten mögest. Ja, hättest du nur ein Fünklein Glauben an den Erlöser, du würdest wissen, daß Seine überschwengliche Gnade in dem Herzen des Erlösten eine brennende Liebe erweckt gegen Seinen Namen, Sein Wort, Seine Wege und Sein Volk, daß er dann nicht in der Sünde beharren kann, sondern dem zu leben trachtet, der ihn so teuer erkauft hat.

Hoffnungsvoll. Frage ihn einmal, ob Christus sich je ihm offenbart hat in seinem Herzen.

Unwissend. Offenbaren? Kann auch ein vernünftiger Mensch an Offenbarungen glauben? Ich glaube, daß alles, was ihr beide und euresgleichen von diesen Sachen sprecht, nichts andres als das Erzeugnis eines kranken Gehirns ist.

Hoffnungsvoll. Armer junger Mann, du weißt nicht, daß der Mensch Christus nicht erkennen kann, es sei denn, daß ihm der Sohn vom Vater offenbart werde.

Unwissend. Das ist euer Glaube, aber der meine nicht. Ich zweifle jedoch nicht, daß der meine ebensogut ist wie der eure, wenn ich gleich nicht so viele Grillen im Kopf habe wie ihr.

Christ. Gestatte mir, ein Wort dareinzureden. Es ist ganz ungeziemend, von dieser Sache so verächtlich zu reden. Wie mein lieber Gefährte es getan, so bezeuge auch ich es freimütig, daß niemand Jesus Christus recht erkennen kann als durch die Offenbarung Gottes des Vaters[141]. Auch der Glaube, durch welchen die Seele Christus ergreift, muß, wenn er rechter Art sein soll, durch die überschwengliche Größe Seiner mächtigen Kraft gewirkt werden (Eph. 1, 19). Von der Wirkung dieses Glaubens ist dir, wie ich merke, noch nichts bekannt. So wache denn auf, laß deinen Hochmut fahren, demütige dich und flehe um Gnade! So wirst du durch Seine Gerechtigkeit, welche die Gerechtigkeit Gottes ist, von der Verdammnis erlöst werden.

Unwissend. Mit euch kann ich nicht Schritt halten; geht voraus, ich will ein wenig hinter euch bleiben.

Sie versuchten es noch einmal, ihn zurückzuhalten, und sprachen: