Christ. Nun, also! Hast du nicht ungefähr vor zehn Jahren in unsrer Gegend einen gewissen Zeitdiener gekannt, der damals großes Aufsehen erregte, weil er sich von der Welt und Sünde abwandte?
Hoffnungsvoll. Ja freilich, wie sollte ich den nicht gekannt haben! Er wohnte in Gnadenlos, einer Stadt ungefähr zwei Meilen von Ehrbarkeit entfernt; seine Wohnung stieß an die eines gewissen Kehrum.
Christ. Richtig, er wohnte mit ihm unter einem Dach. Dieser Mann war einst sehr beunruhigt; ich denke, daß er einige Erkenntnis seiner Sünden und ihrer traurigen Folgen hatte.
Hoffnungsvoll. Ich denke es auch; denn da mein Haus nicht weit von dem seinen entfernt war, kam er öfter zu mir, und zwar mit vielen Tränen. Wahrlich, ich hatte mit dem Mann großes Mitleid und hegte einige Hoffnung für ihn. Aber an ihm kann man sehen, daß nicht alle, die Herr, Herr! sagen, in das Himmelreich kommen (Matth. 7, 21).
Christ. Eines Tages sagte er mir, daß er entschlossen sei, gleichwie wir auf die Pilgrimschaft zu gehen. Aber auf einmal machte er die Bekanntschaft eines gewissen Hilfdirselbst und zog sich dann ganz von mir zurück.
Hoffnungsvoll. Weil wir gerade jetzt auf ihn zu sprechen gekommen sind, laß uns doch einmal untersuchen, worin die Ursache liegt, daß er und andre seinesgleichen so schnell abfällig geworden sind.
Christ. Das kann sehr lehrreich werden; aber diesmal mußt du den Anfang machen.
Hoffnungsvoll. Gut. Meiner Ansicht nach lassen sich folgende vier Ursachen feststellen:
1. Obschon das Gewissen solcher Menschen aufgeweckt wurde, blieb doch ihr Herz unverändert. Wenn daher das Gewicht der Schuld abnimmt, schwindet sogleich auch das, was sie dazu bewog, ein frommes Leben anzufangen, und so kehren sie dann natürlich wieder zu ihrem alten Wandel zurück. Also, sage ich, sie haben Verlangen nach dem Himmel bekommen, aber nur aus Furcht vor den Flammen der Hölle. Wenn aber ihre Gedanken von der Hölle und ihre Furcht vor der Verdammnis etwas abgenommen haben, dann erkaltet auch ihr Verlangen nach dem Himmel, und so fallen sie wieder in ihr früheres Wesen zurück.
2. Ein andrer Grund liegt darin: es ermächtigt sich ihrer eine knechtische Furcht, ich meine die Furcht vor den Menschen, „denn vor Menschen sich scheuen, bringt zu Fall“ (Spr. 29, 25). Wiewohl sie also nach dem Himmel zu trachten scheinen, solange die Flammen der Hölle an ihnen gleichsam züngeln, so kommen sie doch wieder auf andre Gedanken, sobald der erste Schrecken sich ein wenig gelegt hat, und denken, man müsse doch auch klug sein und sich nicht selbst der Gefahr aussetzen, alles zu verlieren (sie wissen aber selbst nicht was), oder sich wenigstens nicht in unvermeidliches und unnötiges Ungemach hineinbringen. Und so stürzen sie sich denn aufs neue der Welt in die Arme.