Christin antwortete: „Wir haben vernommen, daß dies eine für Pilger bestimmte Herberge sei, und da wir solche sind, bitten wir, daß wir Anteil haben dürfen an dem, um deswillen wir hierhergekommen sind. Siehe, es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt, und uns graut, in der Dunkelheit der Nacht auch nur einen Schritt zu tun.“

Unschuld. Bitte, wie sind eure Namen, damit ich sie meinem Herrn drin melden kann?

Christin. Ich bin Christin, die Frau des Pilgers, der seinerzeit diesen Weg gereist ist, und das sind seine vier Kinder. Diese Jungfrau ist meine Gefährtin, die ebenfalls die Pilgerschaft mit angetreten hat.

Da lief Unschuld hinein und sprach zu ihren Hausgenossen: „Könnt ihr euch wohl denken, wer an der Tür steht? Es ist Christin mit ihren Kindern und ihrer Gefährtin, die alle warten, daß sie eingelassen werden.“ Sie sprangen vor Freude und eilten, es dem Hausherrn anzusagen. Dieser kam an die Tür, sah Christin an und sprach: „Bist du Christin, welche Christ, der liebe Mann, zurückließ, als er sich auf die Pilgerreise begab?“

Christin. Ich bin die Frau, die so hartherzig war, ihres Gatten Bekümmernis geringzuachten und ihn allein auf seine Reise ausziehen zu lassen, und dies sind seine vier Kinder. Aber jetzt komme ich auch, denn ich bin überzeugt, daß dies allein der rechte Weg ist.

Ausleger. So ist erfüllt, was von dem Mann geschrieben steht, der zu seinem Sohn sprach: „Gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberg!“ Er antwortete aber und sprach: „Ich will’s nicht tun.“ Darnach reute es ihn, und er ging hin (Matth. 21, 28. 29).

„Amen, es sei also!“ sprach Christin. „Gott mache dies Wort an mir wahr und gebe, daß ich dereinst vor Ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werde“ (2. Petr. 3, 14).

Ausleger. Aber warum stehst du draußen vor der Tür? Komm herein, du Tochter Abrahams! Wir redeten eben erst von dir, denn die Kunde von deinem Auszug ist schon zu uns gedrungen. Ihr Kinder und du Jungfrau, kommt herein!

Und damit führte er sie alle ins Haus. Hier hieß man sie sich setzen und ein wenig ausruhen. Nun kamen auch die übrigen Bewohner des Hauses herein, um die lieben Gäste zu begrüßen. Unter ihnen allen war große Freude darüber, daß Christin eine Pilgerin geworden war. Auch den Knaben und Barmherzig erzeigten sie ihre Liebe und hießen sie alle herzlich willkommen in dem Hause ihres Herrn.