Kann mir nur Heil erwählen.

Er weidet mich auf grüner Au,

Er speiset mich vom Lebenstau

Des Geistes Seiner Gnade.

Als Gesang und Musik verklungen waren, fragte der Ausleger Christin: „Was ist’s, das dich zuerst bewogen hat, dich auf die Pilgerreise zu begeben?“

Christin. Der Verlust meines Mannes ging mir zuerst tief zu Herzen, und ich wurde dadurch schmerzlich betrübt; doch war dies alles nur natürliche Empfindung. Darnach fiel mir auch seine Bekümmernis und die Pilgerschaft wieder ein und wie herzlos und schnöde ich mich dabei gegen ihn benommen hatte. So bemächtigte sich meiner ein tiefes Schuldbewußtsein und brachte mich fast zur Verzweiflung; da hatte ich eben zur rechten Zeit einen Traum von dem Wohlergehen meines Mannes, und ich empfing einen Brief von dem König jenes Landes, der mich zu Ihm beschied. Der Traum und der Brief zusammen wirkten so auf mein Gemüt ein, daß sie mich unwiderstehlich zu dieser Reise zwangen.

Ausleger. Stießest du auf keinen Widerstand bei deinem Auszug?

Christin. Ja, bei einer meiner Nachbarinnen, einer gewissen Frau Furchtsam, einer Verwandten dessen, der meinen Mann aus Furcht vor den Löwen zur Umkehr bereden wollte. Sie schalt mich wegen meines beabsichtigten tollkühnen Unternehmens, wie sie es nannte, eine Närrin und suchte auf alle nur erdenkliche Weise, mich von meinem Vorhaben abzuschrecken, indem sie mir die Mühsalen und Leiden vorstellte, die meinem Mann auf dem Weg widerfuhren. Allein über all das kam ich leicht hinweg. Nur ein Traum, den ich hatte, von zwei schrecklich aussehenden Männern, die, wie mir schien, sich verschwuren, mich auf meiner Reise ins Verderben zu bringen, hat mich sehr beunruhigt. Ja, ich kann ihn auch jetzt noch nicht loswerden, und er macht mich fürchten, daß jeder, der mir begegnet, mir Schaden zufügen und mich vom rechten Weg abbringen könnte. Ich will es auch meinem Herrn nicht verhalten — wiewohl ich nicht wünsche, daß jedermann es wisse —, daß wir beide auf dem Weg diesseits der Pforte so hart angefallen worden sind, daß wir zuletzt „Mörder! Mörder!“ schreien mußten. Und die beiden, welche diesen Angriff auf uns gemacht, waren denen ganz ähnlich, die ich in meinem Traum sah.

„Dein Anfang ist gut,“ sagte der Ausleger, „und dein Ausgang wird noch viel besser sein.“

„Und was hat denn dich bewogen, liebes Kind, hierher zu kommen?“ fragte er, sich an Barmherzig wendend.