„Nun, ihr Knaben, seid ihr alle wohlauf?“ sprach Mutherz hierauf zu den Kleinen, „wie gefällt’s euch denn auf eurer Pilgerreise?“
„Herr,“ antwortete Jakob, „mir wollte vorhin schier der Atem ausgehen; aber ich danke dir, daß du mich an der Hand geführt hast. Es ist, wie meine Mutter gesagt hat, nämlich daß der Weg zum Himmel einer Leiter gleich sei, auf der man in die Höhe gelange; auf dem Weg zur Hölle aber gehe es wie einen Berg hinunter. Ich will jedoch lieber auf der Leiter zum Leben emporsteigen, als den Weg hinunter zum Tode laufen.“
Barmherzig. Aber das Sprichwort sagt: „Bergab geht’s leicht.“
Jakob. Ja, es wird jedoch noch ein Tag anbrechen, da das Bergabgehen die allerschwerste Sache sein wird.
„Du hast recht geantwortet, mein lieber Junge,“ sprach der Führer. Da lächelte Barmherzig, der kleine Knabe aber errötete.
Christin. Kommt, laßt uns noch eine kleine Erfrischung zu uns nehmen, während wir hier sitzen und unsre Füße ausruhen. Ich habe ein Stück von einem Granatapfel, das mir der Ausleger beim Abschied mitgab, auch ein wenig Honigseim und eine kleine Flasche mit stärkendem Getränk[181].
Barmherzig. Ich habe es bei mir selbst gedacht, daß er dir etwas gab, als er dich beiseite nahm.
Christin. Ja, das tat er, und wie wir es bisher gehalten, so sollst du auch fernerhin teilhaben an allem Guten, das mir zufällt, weil du so bereitwillig meine Gefährtin geworden bist. — Sie gab ihnen also, und sie aßen, sowohl Barmherzig als auch die Knaben.
„Herr,“ sprach Christin zu Mutherz, „willst du nicht auch mit uns halten?“
Er antwortete: „Ihr habt noch einen weiten Weg vor euch, so möge euch diese Speise gesegnet sein! Ich aber werde bald wieder umkehren an meinen Ort, wo ich täglich davon genieße.“