Als sie nun gegessen und getrunken und sich untereinander noch eine Weile erbaut hatten, mahnte der Führer zum Aufbruch und sprach: „Der Tag neigt sich, und wenn ihr euer Heil bedenkt, so wollen wir uns zur Weiterreise anschicken.“
Also machten sie sich auf den Weg, und die Knaben gingen voran. Christin aber vergaß, ihr Fläschchen mit dem stärkenden Getränk mitzunehmen; darum schickte sie einen der Knaben zurück, es zu holen. Barmherzig sagte: „Das scheint ein Ort zu sein, wo man leicht etwas verliert. Hier verlor Christ sein Zeugnis, und Christin hat ihre Flasche zurückgelassen. Herr, was mag die Ursache sein?“
Mutherz antwortete: „Die Ursache davon ist entweder Schlaf oder Vergeßlichkeit. Die einen schlafen, wenn sie wachen sollten; die andern vergessen etwas, woran sie denken sollten. Aus dieser Ursache gereichen so manchen Pilgern die Ruheplätze in dem einen oder andern Stück zum Verlust. Pilger sollten wachsam sein und bei ihren höchsten Genüssen sich dessen erinnern, was sie schon empfangen haben. Aus Mangel hieran verwandelt sich ihre Freude oft in Tränen und ihr Sonnenschein in eine Wolke. Das mußte auch Christ hier erfahren.“
Als sie nun an die Stätte kamen, wo Mißtrauen und Furchtsam Christ begegnet waren und ihn aus Furcht vor den Löwen zur Umkehr bereden wollten, fanden sie hier eine Art von Gerüst, daran hing nach der Straße zu eine große Tafel mit folgender Inschrift:
„Die ihr zu diesem Orte kommt,
Nehmt Herz und Zunge wahr;
Erwählt ihr, was zum Heil nicht frommt,
So droht auch euch Gefahr.“
Unter diesem Reim standen die Worte:
„Dieses Denkmal ist denen zur Strafe erbaut, welche sich durch Furchtsam oder Mißtrauen abschrecken lassen, ihre Pilgerreise fortzusetzen. Hier ward auch Mißtrauen und Furchtsam mit einem glühenden Eisen durch die Zunge gebrannt, weil sie Christ an seiner Wallfahrt zu hindern versuchten.“