Herr Geschickt gab also dem Knaben ein Abführungsmittel; es war bereitet aus Bocksblut, der Asche einer jungen Kuh und etwas Saft von Isop (Hebr. 9, 13. 19; 10, 1-4). Dieses Mittel erwies sich aber als zu schwach, so bereitete er ihm ein wirksameres[186], nämlich aus dem Leib und Blut Christi (Joh. 6, 54-57). Ein oder zwei Verheißungen[187] mit einer entsprechenden Quantität Salz[188] wurden beigegeben und das Ganze zu Pillen gemacht, und zwar sollte er dreimal täglich davon nehmen, bei strengem Fasten, in einem halben Viertelmaß Bußtränen. (Ihr wißt ja, Ärzte geben ihren Kranken oft seltsame Arzneien.) Als diese Arznei fertig war und dem Knaben gereicht wurde, wollte er sie zuerst nicht nehmen, wiewohl er von schrecklichen Leibschmerzen gepeinigt war, als ob es ihn in Stücke zerreißen wollte.
„Komm, komm,“ sagte der Arzt, „du mußt es jetzt einnehmen!“
„Es ekelt mir davor!“ erwiderte der Junge.
„Es muß sein; ich will, daß du es nimmst,“ sagte die Mutter.
„Ich werde es wieder von mir geben müssen,“ versetzte der Knabe.
„Bitte, lieber Herr,“ sprach Christin zu Herrn Geschickt, „wie schmeckt es denn?“
„Gar nicht übel,“ antwortete der Doktor. Da kostete sie eine der Pillen mit der Spitze ihrer Zunge.
„O Matthäus,“ sagte sie, „die Pillen schmecken gar nicht bitter! Wenn du deine Mutter liebhast, wenn du deine Brüder liebhast, wenn du Barmherzig liebhast, ja wenn du dein Leben liebhast, so nimm sie!“
So nahm er sie denn nach vielem Zureden und einem kurzen Gebet um Gottes Segen, und das Mittel tat seine Wirkung. Es brachte ihn in einen ruhigen Schlaf und gehörigen Schweiß und befreite ihn völlig von seinen Leibschmerzen. Bald stand er wieder auf und ging an einem Stock umher und unterhielt sich mit Weisheit, Gottesfurcht und Liebe von seiner Krankheit und wie er war gesund geworden.
Als nun der Knabe gesund war, sprach Christin zu dem Arzt: „Herr, womit soll ich deine Mühe und die Sorge mich und mein Kind vergelten?“