„Herr,“ sprach Samuel zu Mutherz, indem sie miteinander gingen, „mein Vater hat also in diesem Tal mit Apollyon gekämpft; aber an welcher Stelle mag dieser Kampf stattgefunden haben? denn ich sehe, das Tal zieht sich in die Länge.“
Mutherz. Das war dort drüben, wo ein enger Durchgang ist, gerade neben dem Rasenplatz Vergessenheit. Das ist wohl die gefährlichste Stelle in der ganzen Gegend; denn wenn den Pilgern irgend einmal ein Unfall begegnet, so geschieht es dann, wenn sie der empfangenen Wohltaten Gottes vergessen und nicht mehr gedenken, wie unwürdig sie derselben sind. An diesem Ort sind schon manche in harte Bedrängnis geraten. Doch wir können weiter darüber reden, wenn wir dort angelangt sind; denn es wird ohne Zweifel bis auf den heutigen Tag noch irgendeine Spur von dem Kampf oder ein Erinnerungszeichen daran vorhanden sein.
„Mir ist,“ fiel Barmherzig hier ein, „so wohl in diesem Tal, wie ich es kaum irgendwo auf unsrer ganzen Reise empfand; es stimmt so alles zu meiner Gemütsart. Hier hört man keinen Straßenlärm, kein Peitschengeknall und Wagengerassel. Solch stille Plätze sind so recht dazu angetan, daß man wieder zu sich selber kommen kann und dessen eingedenk wird, wie und was man ist und wozu der König uns berufen hat. Es ist ein Ort für solche, die zerbrochenen Herzens und zerschlagenen Geistes sind, deren Augen überfließen wie die Teiche zu Hesbon (Hohesl. 7, 5). Wohl denen, die rechtschaffen durch dies Tal gehen, die machen daselbst Brunnen, und ihre Brunnen werden gefüllt durch die milden Regengüsse, die Gott selbst vom Himmel sendet über die, welche Ihm hier von Herzen nachwandeln (Ps. 84, 6. 7). Dies ist das Tal, aus welchem der König den Seinen ihre Weinberge geben will (Hos. 2, 17), und daselbst werden sie singen, wie Christ sang trotz seiner Begegnung mit Apollyon.“
Mutherz. Es ist wahr; ich bin des öftern durch dieses Tal gezogen, und es ward mir nirgends wohler als hier. Ich habe auch manche Pilger begleitet, die alle dasselbe bezeugt haben. „Ich sehe an den Elenden,“ spricht der König, „und der zerbrochenes Geistes ist und der sich fürchtet vor Meinem Wort“ (Jes. 66, 2).
Nunmehr kamen sie an den Ort, wo der vorhin erwähnte Kampf vorgefallen war. „Dies ist die Stätte,“ sprach der Führer, „hier stand Christ, da Apollyon auf ihn eindrang. Und seht, sagte ich es nicht? es sind noch Spuren von deines Mannes Blut auf diesen Steinen zu sehen! Seht, wie da und dort noch Splitter von den zerbrochenen Pfeilen Apollyons umherliegen! Seht nur, wie sie den Boden mit ihren Füßen zertreten haben, um sich gegeneinander zu behaupten. Ja, von den Hieben, die fehlgingen, sind selbst die Steine in Stücke zerschlagen worden! Wahrlich, Christ hat sich hier als Mann erwiesen und sich tapfer gezeigt wie ein wahrer Herkules. Als Apollyon geschlagen war, nahm er seinen Weg in das nächste Tal, genannt das Tal der Todesschatten, durch das auch wir nun ziehen werden. Seht, und dort steht ein Denkmal, auf welchem Christs Kampf und Sieg zu seinem Ruhm für kommende Geschlechter eingegraben ist. Da das Denkmal gerade hart am Weg stand, traten sie hinzu und lasen die Schrift, die also lautete:
Hier fand einst statt ein furchtbar mächtig Ringen,
Apollyon den Christen wollt’ bezwingen;
Erbittert war der Streit, es kam zum Handgemenge,
Schon bracht’ Apollyon den Treuen ins Gedränge;
Doch der faßt’ Gottes Schwert, versetzt ihm Streich auf Streich —