Geschlagen fuhr der Feind hinab ins Höllenreich.
Drum dieses Denkmal soll es jedermann bekunden,
Daß Christ im harten Kampf mit Gott weit überwunden.
Als die Pilger an dieser Stelle vorüber waren, kamen sie in das Tal der Todesschatten. Es war dies Tal länger als das erstere und wurde merkwürdigerweise von unheimlichen bösen Wesen sehr beunruhigt, was ihrer viele bezeugen können. Diese Frauen und Kinder konnten sich daher glücklich schätzen, daß sie noch Tageslicht hatten und daß Mutherz als Führer bei ihnen war.
Schon bei ihrem Eintritt in das Tal glaubten sie Jammertöne und lautes Stöhnen zu vernehmen wie von Sterbenden und solchen, die sich in äußerster Qual befanden. Darob zitterten die Knaben, und auch die Frauen entfärbten sich; aber ihr Führer hieß sie gutes Mutes sein.
Während sie weiterschritten, war es ihnen, als ob der Boden unter ihren Füßen wankte und der Weg hohle Stellen hätte; auch hörten sie ein Zischen wie von Schlangen, ohne daß sie jedoch von dergleichen etwas sehen konnten. Da fragten die Knaben: „Sind wir noch nicht am Ende dieses schrecklichen Tales?“ Der Führer sprach ihnen abermals Mut zu und hieß sie auf ihre Füße zu achten, damit sie nicht in eine Schlinge gerieten.
Um diese Zeit fing Jakob an, unwohl zu werden, wahrscheinlich aus Angst. Da gab ihm seine Mutter ein wenig von dem stärkenden Getränk, das sie in des Auslegers Haus empfangen hatte, dazu drei von den Pillen, welche Doktor Geschickt bereitet hatte. Und der Knabe erholte sich wieder.
Als sie sich ungefähr in der Mitte des Tales befanden, sprach Christin: „Mich dünkt, ich sehe dort etwas vor uns auf dem Weg, eine Gestalt, wie ich noch niemals eine gesehen habe.“ Da rief Joseph: „Mutter, was ist es?“ — „Ein abscheuliches Wesen, mein Kind, ein abscheuliches Wesen,“ antwortete sie. „Aber Mutter, wem sieht es ähnlich?“ fragte er wieder. „Ich weiß nicht, wem es gleichsieht,“ erwiderte sie, „jetzt ist es nicht mehr weit entfernt. Jetzt ist es ganz nahe.“
„Wohlan,“ sprach Mutherz, „wer sich fürchtet, der halte sich ganz nahe zu mir!“ So kam der Feind heran; aber als ihm der Führer entgegentrat, verschwand er vor ihrer aller Augen. Und sie gedachten an das Wort, das ihnen gesagt war: „Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch!“ (Jak. 4, 7) Mit erleichterten Herzen zogen sie weiter.
Nach einer Weile, als Barmherzig sich gerade umwandte, siehe, da kam ein Ungeheuer schrecklich brüllend und in großen Sätzen hinter ihnen hergerannt. Seine Gestalt war wie die eines Löwen, und sein Gebrüll erfüllte das ganze Tal, so daß die Herzen der Frauen und Kinder darob erbebten. Mutherz trat nun vor und machte sich kampfbereit[197]. Das Untier kam in raschem Lauf auf ihn zu; aber als es sah, daß man ihm zu widerstehen entschlossen war, da zog es sich zurück und ließ sich nicht mehr blicken.