Ich sah nun, daß sie in ihren Gesprächen fortfuhren, denn Redlich begann von einem andern zu erzählen, der Eigenwillig hieß, und sprach: „Er selbst gab sich für einen Pilger aus; aber ich bin überzeugt, daß er nicht durch die Pforte am Eingang dieses Weges eingegangen ist.“

Mutherz. Hast du jemals darüber mit ihm gesprochen?

Redlich. Ja, etlichemal; aber wie er hieß, so war er auch, nämlich eigenwillig. Er ließ sich auf keine Weise belehren, sondern was ihm sein Herz eingab, das tat er und war sonst zu nichts anderm zu bewegen[204].

Mutherz. Aber was waren denn seine Grundsätze? Sie müssen dir doch wohl bekannt sein.

Redlich. Er hielt dafür, es könne einer ebensowohl in den Sünden andrer Pilger leben als ihren Tugenden nachfolgen; wenn er beides täte, würde er gewiß selig werden.

Mutherz. Wie? Wenn er gesagt hätte, es könne auch dem Besten begegnen, daß er in eine Sünde falle, so wäre das nicht zu tadeln; denn in der Tat, solange wir in diesem Leibe wallen, sind wir jeder Sünde fähig, wenn wir im Wachen und Beten nachlassen. Aber wenn ich dich recht verstehe, so war seine Meinung, daß die Sünden, die andre Pilger begangen haben, auch ihm erlaubt seien zu tun, wenn er sich ihrer Tugenden befleißige.

Redlich. Ja, du hast es richtig erfaßt, denn so dachte und lebte er auch.

Mutherz. Aber worauf gründete er denn seine Behauptung?

Redlich. Nun, er stützt sich dabei auf die Heilige Schrift.

Mutherz. Wie kann das sein? Bitte, Vater Redlich, laß uns Näheres darüber hören!