Redlich. Ja, es stimmt, was du sagst; denn du hast sein blasses Aussehen, den Blick seiner Augen, und deine Sprache klingt wie seine.
Kleinmütig. Das haben aus unserm Bekanntenkreis viele gesagt, und was ich in seinem Innern gelesen, das habe ich auch zum großen Teil in mir selbst empfunden.
„Komm Freund, sei guten Mutes!“ sagte der freundliche Wirt. „Du bist mir und meinem Haus willkommen! Was du wünschest, fordere nur getrost, meine Diener werden dir mit Freuden zur Hand gehen.“
Da sprach Kleinmütig: „Das ist eine unerwartete Gunst und wie ein Sonnenstrahl aus finsterm Gewölk. Das hat der Riese Tugendfeind wohl nicht gedacht, daß seine böse Tat zu meinem Glücke ausfallen würde.“
Kaum hatte Kleinmütig ausgeredet, da kam einer gelaufen und erzählte, daß ungefähr anderthalb Meilen von dort ein gewisser Unlauter, ein Pilger, auf der Stelle, wo er sich gerade befand, vom Blitz erschlagen worden sei[216].
„Ach,“ rief Kleinmütig aus, „ist er erschlagen? Er holte mich vor einigen Tagen ein und bot mir seine Gesellschaft an. Er war auch bei mir, als der Riese Tugendfeind mich angriff; aber er war leichtfüßig und entrann. Allein es scheint, er entkam zum Tode, und ich ward ergriffen zum Leben.“
So führst Du doch recht selig, Herr, die Deinen,
Ja selig und doch meist verwunderlich!
Wie könntest Du es böse mit uns meinen,
Da Deine Treu’ nicht kann verleugnen sich?