Christ. Ja, leider! Ich ging, um Herrn Gesetzlich aufzusuchen; als ich aber an den Berg kam, der bei seinem Hause liegt, glaubte ich, er würde auf mich herunterstürzen, und so war ich gezwungen, stillzustehen.

Gutwillig. Dieser Berg hat schon manchem den Tod gebracht und wird noch vielen den Tod bringen[34]. Wohl dir, daß du entronnen und nicht von ihm zerschmettert worden bist!

Christ. Ja, ich weiß in der Tat nicht, was dort aus mir geworden, wenn nicht gerade der Evangelist mir wieder begegnet wäre, als ich in meiner Verwirrung weder ein noch aus wußte. Aber Gottes Gnade war es, die ihn mir wieder zuführte; denn ohne die würde ich nimmermehr hierhergekommen sein. So bin ich denn nun hier, ich, der ich eher den Tod unter jenem Berg verdient hätte, als hier zu stehen und mit meinem Herrn zu reden. Doch, o welch eine Gnade für mich, daß ich dennoch hier eingelassen worden bin!

Gutwillig. Wir weisen niemand zurück, der hierher kommt, was er auch früher Böses getan haben mag; es wird keiner hinausgestoßen[35]. — Komm darum eine kleine Strecke mit mir, lieber Christ, ich will dir den Weg zeigen, den du zu gehen hast. Siehst du wohl da gleich vor dir jenen schmalen Weg? Das ist der Weg, den du gehen mußt. Er ist gebahnt von den Patriarchen und Propheten, von Christus und Seinen Aposteln, und er ist so gerade, wie ihn nur eine Richtschnur machen kann. Das ist der Weg, den wandle!

„Gibt es aber keine Abwege und Krümmungen,“ fragte Christ, „die den Wanderer irremachen können?“

„Es stoßen viele Wege daran,“ sagte Gutwillig, „aber sie sind krumm und breit[36], während der rechte Weg gerade und schmal ist, und daran kannst du den rechten Weg vom verkehrten wohl unterscheiden.“ —

Ich sah nun in meinem Traum, daß Christ ihn noch weiter fragte, ob er ihn nicht von der Last auf seinem Rücken befreien könne; denn bis dahin hätte er durch kein Mittel sich ihrer entledigen können.

„Habe nur noch ein wenig Geduld,“ sagte der Pförtner, „bald wirst du an eine Stelle kommen, wo die Last ohne dein Zutun von deinem Rücken fallen wird.“

Hierauf gürtete Christ seine Lenden und machte sich reisefertig. Gutwillig sprach noch zu ihm, wenn er jetzt von der Pforte aus eine kleine Strecke zurückgelegt haben werde, finde er das Haus des Auslegers; an dessen Tür solle er anklopfen, und der werde ihn herrliche Dinge sehen lassen. Darauf nahm Christ Abschied von dem freundlichen Pförtner, und dieser wünschte ihm eine glückliche Reise und befahl ihn dem Schutz Gottes.

Christ setzte also seinen Weg fort, bis er zu dem Haus des Auslegers kam. Hier klopfte er einmal über das andre an, bis endlich jemand ans Tor kam und fragte, wer da sei.