Der Gemeinde kam es bald zum Bewußtsein, daß Bunyan Gaben besitze, durch die er seinen Mitmenschen zum Segen werden könnte, und sie ernannte ihn zu ihrem Diakon oder Armenpfleger. Nicht lange nachher wurde er von der Gemeinde zum Prediger oder Evangelisten bestimmt. Mit der Übernahme dieses Amtes (1655) vollzog sich auch seine Übersiedlung nach Bedford.

Wie gering aber Bunyan damals von sich selbst hielt, sagte er mit folgenden Worten: „Ich konnte im Anfang gar nicht glauben, daß es möglich sei, daß Gott durch mich zu dem Herzen eines Menschen reden werde.“ — In den ersten Zeiten seines Predigtamts sprach er hauptsächlich von dem Verderben und dem Fluch der Sünde. Dies konnte er um so besser, als damals noch vielfach die Schrecken des Gesetzes und seine Sündenschuld schwer auf seinem Gewissen ruhten. Er bekennt selbst: „Ich kann mit Wahrheit und ohne Verstellung sagen, daß wenn ich hinging zu predigen, so ging ich voll Schuldgefühl und Schrecken, selbst bis zur Kanzeltür, und da erst wurde mir die Last abgenommen, so daß ich so lange im Gemüt frei war, bis ich mein Amt ausgerichtet hatte.“ — So fuhr er etwa zwei Jahre lang fort. Danach wurde er mit dauerndem Trost und Frieden erfüllt. Darum predigte er nun nicht mehr so sehr von den Schrecken der Sünde und des Gesetzes, sondern suchte Jesus Christus in dem Reichtum Seiner erlösenden Wirksamkeit und in Seinen Segnungen zu schildern; denn „ich predigte immer, was ich erfahren hatte“. Später ward er besonders von dem Geheimnis der Vereinigung mit Christus überzeugt, darum erklärte er seinen Zuhörern auch diesen Teil der evangelischen Wahrheit.

Sein Ruf als Prediger erscholl bald in die umliegenden Ortschaften, so daß von allen Seiten Hunderte herbeiströmten, um ihn zu hören. Nebenbei setzte er sein Handwerk als Kesselflicker mit großem Fleiß fort und war zu diesem Zweck nicht selten auf der Wanderschaft begriffen. Dabei predigte er, wo ihm Gelegenheit geboten wurde: in Wäldern, Scheunen oder auf Rasenplätzen, zuweilen auch in einer Kirche. Was für eine Macht von seiner Predigt ausging, zeigt uns folgendes Beispiel: Eines Tages sollte er in einer Dorfkirche bei Cambridge predigen. Unter Cromwells Protektorat durften auch die Baptisten die öffentlichen Kirchen benützen. Eine große Schar Zuhörer hatte sich schon auf dem Kirchhof versammelt. Da ritt eben ein Student vorüber. Er sieht die Menschenmenge und fragt, was es da gebe. Man teilt ihm mit, die Leute wollten einen gewissen Bunyan, einen Kesselflicker, predigen hören. Das ist dem Studenten interessant. Er steigt vom Pferd, gibt einem Knaben sechs Kreuzer, daß er ihm das Pferd halte, und sagt, er müsse des Kesselflickers Gewäsche auch hören, das gebe ja einen köstlichen Spaß. Er geht in die Kirche. Aber das Wort Gottes aus dem Munde des Kesselflickers ergriff den jungen Studenten so, daß er von da an jede Gelegenheit benützte, Bunyan zu hören, und später ein gesegneter Prediger des Evangeliums wurde.

Ernennung zum Prediger.

Fünf Jahre lang hatte Bunyan als Laienprediger gewirkt. Unter der Herrschaft Oliver Cromwells und seines Sohnes Richard hatte es für ihn als Baptist keine Gefahr, zu predigen, wenn er auch die Feindschaft mancher Geistlichen reichlich zu fühlen bekam, die mit bitterm Neid verächtlich auf den neuen eifrigen Prediger herabsahen und es ihrerseits an Verleumdungen der schwärzesten Art nicht fehlen ließen.

In diese Zeit fällt auch der Anfang seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Durch sein erstes Büchlein, das er schrieb: „Beleuchtung einiger evangelischen Wahrheiten“ geriet er jedoch in lange Streitigkeiten mit den Quäkern, die sich auch in Bedford angesiedelt hatten.

Am 29. Mai 1660 zog Karl II., der sich nach der Enthauptung seines Vaters, des unglücklichen Karl I., nach Frankreich geflüchtet hatte, wieder als König in London ein. Noch während seiner Verbannung zu Breda in Holland hatte er eine Proklamation an das englische Volk erlassen, worin er versprach, daß „die schwachen und zarten Gewissen volle Freiheit in der Religionsübung haben sollten und daß man niemand beunruhigen oder zur Rede stellen werde wegen seiner von der Staatskirche abweichenden Religionsmeinungen, sofern dieselben nicht den Reichsfrieden stören“. Aber die Hoffnungen von religiöser Freiheit, welche manche auf die Wiederherstellung der Monarchie gesetzt haben mochten, gingen nicht in Erfüllung. Die alten Strafgesetze gegen alle, die sich nicht zur bischöflichen Kirche hielten, traten wieder in Kraft, ja, sie wurden sogar noch verschärft und durch neue vermehrt. So konnten die Versammlungen der Baptisten nur noch im geheimen stattfinden, und zwar oft in den Stunden der Nacht und an abgelegenen Orten. Auch Johann Bunyan setzte mit großer Treue seine gesegnete Tätigkeit fort. Einmal soll er, um nicht entdeckt zu werden, als Fuhrmann verkleidet in weißem Kittel mit der Peitsche in der Hand nach einem Dorf gefahren sein, um in einer abgelegenen Scheune das Evangelium zu verkündigen. Eine Zeitlang entgingen Bunyan und seine Freunde dem wachsamen Auge der Polizei.

Gefängnis zu Bedford.