[70] Jesus Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen (Kol. 1, 15), welche Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist (Micha 5, 1).

[71] In Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, und Ich will wiederkommen und euch zu Mir nehmen, auf daß ihr seid, wo Ich bin (Joh. 14, 2. 3).

[72] Der Gerechte wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß (Jes. 33, 16).

Viertes Kapitel.
Das Tal der Demut und der Todesschatten.

Wie ich in meinem Traum sah, wanderte nun Christ durch das Tal der Demut. Er hatte erst eine kleine Strecke des Weges zurückgelegt, als er den Engel des Abgrunds, der Apollyon heißt (Offenb. 9, 11), durch das Feld auf ihn zukommen sah. Christ geriet hierüber in sehr große Angst. Sollte er zurückfliehen oder standhalten? So bange es ihm war, so erkannte er es doch für das beste, sein Heil im Kampf und nicht in der Flucht zu suchen, da sein Rücken, unbeschirmt, wie er war, leicht mit den feurigen Pfeilen dieses Bösewichtes durchbohrt werden konnte. Er entschloß sich, es mit ihm zu wagen und das Feld zu behaupten. „Denn,“ sagte er zu sich selbst, „hätte ich auch weiter nichts als meines Lebens Rettung im Auge, so würde es doch das beste sein, nicht zu fliehen.“

So ging er denn voran, und Apollyon kam auf ihn zu. Er war ein Ungeheuer, schauerlich anzusehen. Er war mit Schuppen bedeckt gleich einem Fisch — und das ist sein Stolz —, er hatte Flügel wie ein Drache, Füße wie ein Bär; aus seinem Bauch kam Feuer und Rauch, und sein Maul war gleich eines Löwen Rachen. Er sah Christ an mit einem Blick von Grausamkeit und Verachtung und begann also ihn auszufragen:

„Wo kommst du her, und wo willst du hin?“