Da stellte sich Apollyon quer über den ganzen Weg und sagte: „Ich habe nicht die geringste Furcht. Bereite dich zum Tode! denn ich schwöre es beim Abgrund der Hölle: Du sollst nicht weiterkommen, hier sollst du dein Leben enden!“ Und sogleich schoß er ihm einen feurigen Pfeil nach der Brust; aber Christ hielt ihm den Schild entgegen und entging der Gefahr. Rasch zog er nun das Schwert zum Kampf, während der Feind auf ihn eindrang und ihn mit Pfeilen, wie mit einem Hagelwetter, überschüttete. Christ kämpfte tapfer, bis er, an Haupt, Hand und Fuß verwundet, endlich zurückweichen mußte.
Apollyon setzte den Kampf desto heftiger fort, doch faßte auch Christ wieder Mut und widerstand ihm mannhaft. Stundenlang dauerte dieser heiße Kampf, und durch die erhaltenen Wunden schon sehr geschwächt, war Christ schließlich fast ganz erschöpft. Der Feind, diesen Vorteil wahrnehmend, drang auf ihn ein, begann mit ihm zu ringen und warf ihn mit furchtbarer Gewalt auf die Erde nieder, wobei ihm das Schwert aus der Hand fiel. Siegesgewiß sprach Apollyon: „Jetzt bekomme ich dich sicher!“ indem er ihn beinahe erdrückte, so daß Christ an seinem Leben verzagte. Aber bevor der Satansengel zu seinem letzten Schlag ausholen konnte, um mit seinem Opfer ein Ende zu machen, wurde Christ von Gott gestärkt, daß er seine Hand schnell nach dem Schwert ausstrecken und es ergreifen konnte. Triumphierend rief er aus: „Freue dich nicht, mein Feind, daß ich daniederliege; ich werde wieder aufkommen!“ (Micha 7, 8) — und in demselben Augenblick gab er ihm einen Stoß, worauf der Feind, wie zum Tode verwundet, zurückwich. Als Christ dies sah, rief er ihm nochmals zu: „In dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat“ (Röm. 8, 37). Alsbald breitete Apollyon seine Drachenflügel aus und floh davon, und Christ sah ihn nicht wieder[76].
Wer es nicht selbst wie ich mit angesehen und angehört, kann sich nicht vorstellen, welch ein gellendes Geheul und erschreckendes Gebrüll Apollyon während des Kampfes erhob — gleich einem Drachen schrie er; während Christ aus dem Innersten seines Herzens tiefes Seufzen und Klagen vernehmen ließ. Erst als er gewahr wurde, daß er mit seinem zweischneidigen Schwert Apollyon verwundet habe, blickte er fröhlich zum Himmel auf. Das war aber auch der furchtbarste Kampf, den ich je gesehen.
Nachdem nun alles überstanden war, sprach Christ: „Ich will dem Herrn danken, der mich erlöst hat von des Löwen Rachen, der mir Kraft gegeben, gegen den Verderber zu streiten.“ Er erhob deshalb seine Stimme und fing an zu singen:
„Der alte Fürst des Abgrunds, zornentbrannt,
Hat seinen Engel wider mich gesandt;
Mit Höllenkräften furchtbar angetan,
Flog er einher, verrannte mir die Bahn.
Ich war verloren! Herr, wer ist wie Du?
Du hörtest mein Gebet, Du kamst herzu.