Das spornte Christ um so mehr an, alle seine Kräfte anzustrengen, und es gelang ihm, Getreu einzuholen, ja ihm zuvorzukommen. So war der Letzte zum Ersten geworden, und er konnte ein selbstgefälliges Lächeln nicht verbergen, daß er seinem Bruder den Vorrang abgewonnen hatte. Aber unerwartet strauchelte er, fiel zur Erde nieder und mußte warten, bis Getreu ihm wieder aufhalf, worauf sie in brüderlicher Eintracht weiterzogen und sich von dem unterhielten, was ihnen auf ihrer Reise begegnet war. Christ fing also an:

„Mein herzlich geliebter Bruder Getreu, ich bin sehr glücklich darüber, daß ich dich eingeholt habe und daß Gott unsre Herzen so gleichgesinnt hat, daß wir als Gefährten diesen lieblichen Pfad miteinander wandeln können.“

Getreu. Ich hatte gehofft, mein teurer Freund, ich würde schon von unsrer Stadt aus deine Gesellschaft haben; aber du warst mir in kurzer Zeit weit vorgekommen, und ich mußte diesen bangen Weg ganz allein gehen.

Christ. Wie lange bist du nach meiner Abreise noch in der Stadt Verderben geblieben?

Getreu. Bis ich nicht länger bleiben konnte; denn man hörte von nichts anderm mehr, als daß unsre Stadt in kurzer Frist mit Feuer vom Himmel vertilgt werden sollte.

Christ. Davon redet man?

Getreu. Ja, es war eine lange Zeit in jedermanns Mund.

Christ. Und doch entfloh niemand als du der Gefahr?

Getreu. Obschon, wie gesagt, ein großes Gerede davon war, mochten die meisten doch nicht recht daran glauben; denn ich hörte manche von dir und deiner verzweifelten Reise, wie sie deine Pilgerschaft nannten, sehr verächtlich reden. Aber ich glaubte es und glaube es auch noch, daß der Untergang unsrer Stadt durch Feuer und Schwefel vom Himmel erfolgen wird, und darum habe ich die Flucht ergriffen.

Christ. Hast du auch etwas von unserm Nachbar Willig gehört?