Getreu. Ich weiß es wohl, ich habe ihn schon mehr als einmal gesehen. Er war es, der zu mir kam, als ich noch sorglos in meinem Haus wohnte, und sagte, er wollte mir das Haus über dem Kopf niederbrennen, wenn ich noch länger säumte.
Christ. Aber sahst du das Haus auf der Spitze des Berges nicht, an dessen Seite dir Mose begegnete?
Getreu. Ja, ich sah auch zwei schlafende Löwen davor. Da aber die Sonne noch hoch stand, ging ich bei dem Pförtner vorüber und den Berg hinunter.
Christ. Das hat mir der Pförtner wohl gesagt, daß er dich habe vorbeigehen sehen; aber du hättest ein wenig da verweilen sollen, denn man sieht dort seltene, unvergeßliche Dinge. Aber bist du niemand begegnet im Tal der Demut?
Getreu. Ja, ich traf einen gewissen Unzufrieden, der mich wieder gern mit zurückgenommen hätte. „In diesem ganzen Tal,“ sagte er, „findest du keine Ehre, ja, wenn du töricht genug bist, durch dieses Tal zu gehen, so beleidigst du alle deine Freunde: Stolz, Übermut, Eigendünkel, Menschenruhm; denn ich kenne sie wohl.“
Christ. Und was gabst du ihm zur Antwort?
Getreu. „Diese alle haben wohl Anspruch auf Verwandtschaft mit mir,“ sagte ich, „denn sie waren auch in der Tat meine Verwandten nach dem Fleisch; aber seit ich ein Pilgrim geworden bin, haben sie mich verleugnet, und ich habe sie aufgegeben. Überdies hast du dieses Tal völlig falsch dargestellt; denn Demut kommt vor der Ehre, und Hochmut kommt vor dem Fall (Spr. 16, 18). Deshalb will ich lieber durch dieses Tal zu der Ehre gelangen, welche von den weisesten Leuten für Ehre gehalten wird, als das zu erwählen, was du am meisten wert erachtest.“
Christ. Trafst du sonst niemand in diesem Tal?
Getreu. Ja, einen namens Scham; aber niemand trägt seinen Namen weniger mit Recht als er. Denn alle andern, die ich auf meiner Pilgerschaft getroffen, ließen sich doch endlich von mir abweisen; aber mit diesem frechen Scham konnte man wirklich zu keinem Ende kommen.
Christ. Wieso? Was sagte er denn zu dir?