Nach Jahr und Tag regten sich auch die alten Feinde wieder. Ja, sie brachten es dahin, daß Bunyan noch einmal ins Gefängnis mußte; diesmal jedoch nur auf sechs Monate. Durch Vermittlung angesehener Männer, des Dr. Owen, des berühmten Kaplans Cromwell und des Bischofs von Lincoln, wurde er befreit. Ob Bunyan den 1. Teil seiner „Pilgerreise“ während dieser oder der 12jährigen Gefangenschaft geschrieben hat, ist ungewiß; in Druck kam er erst im Jahr 1678, während der 2. Teil sieben Jahre später, zu Anfang des Jahres 1685, erschien.

Im Jahr 1682 hatte Bunyans Gemeinde zu Bedford wiederum viel Verfolgung zu leiden. Eine Zeitlang wurde sie aus ihrem Versammlungshaus vertrieben und mußte unter freiem Himmel zusammenkommen. In demselben Jahr war es, daß er sein treffliches Büchlein: „Der heilige Krieg“ herausgab, worin er den Kampf des Christen gegen Sünde, Welt und Teufel sinnbildlich darzustellen versucht. Als nach Karls II. Tod (3. Februar 1685) König Jakob II., welcher die protestantische Kirche Englands mit Gewalt wieder katholisch machen wollte, den Thron bestieg, wurden die Verfolgungen wieder besonders heftig. Bunyan entkam oft nur mit knapper Not der äußersten Lebensgefahr. Er wurde von seinen Feinden überall scharf bewacht; doch rettete ihn der Herr diesmal aus aller Gefahr, nur daß ihm hie und da wilde Rotten ins Haus brachen und ihn seiner sauer erworbenen Habe teilweise beraubten.

Bunyans Grabmal in London.

Zu Anfang des Jahres 1688 wurde Bunyan von einer heftigen Krankheit ergriffen, erholte sich aber wieder so weit, daß er noch ein besonderes Liebeswerk auszurichten imstande war, das freilich sein letztes auf Erden sein sollte. Einer seiner Freunde nämlich, der in der Stadt Reading wohnte, hatte gedroht, seinen eigenen Sohn zu enterben, und schon nahte sein Ende, ohne daß eine Versöhnung zwischen Vater und Sohn zustande gekommen war. Der Sohn war darüber sehr bekümmert und bat Bunyan, sich für ihn bei seinem Vater zu verwenden und eine Versöhnung zu bewirken. Da unternahm der treue Knecht Gottes bereitwillig die weite Reise nach Reading zu Pferd, und es gelang ihm, die Liebe zwischen Vater und Sohn wieder herzustellen. Darauf ritt er nach London zurück. Allein unterwegs wurde er von heftigem Regen befallen und völlig durchnäßt. Ganz durchfroren und erstarrt von Nässe kam er in dem Hause eines Freundes in London an. Hier predigte er zwar noch am Sonntag, dem 19. August, aber schon am Dienstag wurde er von heftigem Fieber ergriffen. Zehn Tage später, am 31. August 1688, durfte dieser treue Zeuge seines Herrn nach einem vielbewegten Leben eingehen in die Ruhe des Volkes Gottes. Seine letzten Worte waren: „Weinet nicht über mich, sondern über euch selbst. Ich gehe zu dem Vater unsers Herrn Jesus Christus, der mich, ob ich gleich ein großer Sünder bin, durch die Mittlerschaft Seines geliebten Sohnes aufnehmen wird; dort werden wir, hoffe ich, bald wieder zusammenkommen, um das neue Lied zu singen und in alle Ewigkeit selig zu sein.“ Er stand im 60. Jahr seines Lebens. Auch von ihm kann mit Recht gesagt werden: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben; sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach“ (Offenb. 14, 13).

Seine sterbliche Hülle wurde auf dem Friedhof in Finsbury (dem Bunhillkirchhof) beigesetzt, wo auch Watt, Owen und Wesley ruhen. Ein würdiges Denkmal mit seinem Bildnis bezeichnet heute noch seine Grabstätte, und durch die vor uns liegende „Pilgerreise“ redet er noch zu uns, wiewohl er gestorben ist.

Pilgerreise
zur seligen Ewigkeit.

Erster Teil:
Der Pilger.