GRÖSSERES BILD

Erstens: Ihrer fremdartigen Kleider wegen wurden sie von dem Volk mit Erstaunen angegafft, aller Augen richteten sich auf sie; einige sagten: „Es sind Narren,“ andre: „Tollhäusler,“ wieder andre: „Ausländer“[101].

Zum andern: Gleichwie sie sich über ihre Kleidung verwunderten, so sehr fiel ihnen ihre Sprache auf. Sie redeten natürlich die Sprache Kanaans; die aber hier Markt hielten, waren Kinder dieser Welt. So kamen sie von einem Ende des Marktes bis zum andern den Leuten fremd und unverständlich vor[102].

Drittens: Was den Kaufleuten am unbegreiflichsten erschien, war, daß sie die Waren nicht der geringsten Aufmerksamkeit wert achteten, und wenn man sie anhielt, etwas zu kaufen, so hielten sie sich die Ohren zu und beteten: „Wende meine Augen ab, daß sie nicht nach Eitlem sehen!“ (Ps. 119, 37), und sie blickten in die Höhe, zum Zeichen, daß ihr Wandel im Himmel wäre[103].

Da jemand spöttisch die Frage an sie richtete, was sie denn kaufen wollten, und sie mit Festigkeit und Ernst erwiderten: „Wir kaufen Wahrheit“ (Spr. 23, 23), so brach von allen Seiten der bitterste Spott und Hohn gegen sie los; und einige riefen den andern zu, sie ins Angesicht zu schlagen. Kurz, alle Ordnung des Jahrmarkts verkehrte sich in ein entsetzliches Getümmel. Die Sache wurde vor den Obersten des Marktes gebracht, der sogleich einige seiner vertrautesten Freunde abschickte, die Fremden, die einen solchen Auflauf veranlaßt hätten, zu verhören.

So wurden die Pilger festgenommen und vor Gericht geführt.

„Woher kommt ihr? Wohin geht eure Reise? Und warum erscheint ihr in so ungewöhnlicher Tracht?“ Dies waren die Fragen, die man ihnen im Verhör vorlegte.

„Wir sind Gäste und Fremdlinge auf Erden,“ antworteten sie; „wir wandern nach unsrer Heimat, nach dem himmlischen Jerusalem. Weder den Einwohnern der Stadt noch den Marktleuten haben wir Veranlassung gegeben, uns so zu mißhandeln und aufzuhalten; ausgenommen, daß wir einem, der uns fragte, was wir kaufen wollten, die Antwort gaben: Wir kaufen Wahrheit.“

Diese Aussage war ausreichend, um auch die Richter zu überzeugen, daß sie nichts andres seien als tolle und verrückte Leute, die einzig und allein beabsichtigten, den ganzen Markt in Verwirrung zu bringen.

Daher legte man von neuem Hand an sie; sie wurden geschlagen, mit Kot beworfen und in ein Gefängnis gelegt, wo sie, den Augen des Volkes ausgesetzt, eine Zeitlang der Gegenstand des allgemeinen Hohnes, der ausgesuchtesten Bosheit waren. Und der Oberste des Marktes weidete sich an diesem Schauspiel. Indes blieben aber die Pilger geduldig, vergalten nicht Scheltwort mit Scheltwort, sondern segneten dagegen (1. Petr. 3, 9); sie übten Güte für erlittenes Unrecht, so daß einige besonnene Männer, die weniger vom Vorurteil befangen waren als die andern und die Geduld der Fremdlinge mit Bewunderung beobachtet hatten, sich ihrer gegen die erbitterte Menge annahmen. Nun aber wandte sich deren Zorn auch gegen diese Bessergesinnten. „Ihr seid,“ so rief man ihnen zu, „ebenso nichtsnutzig wie die beiden da am Pranger und wohl ihre geheimen Verbündeten und verdient die gleiche Strafe!“