Ich sah nun, daß der Mann zu laufen anfing. Als er aber nahe an seinem Hause vorbeikam und seine Frau und Kinder ihn sahen, riefen sie ihm nach, er solle wieder umkehren; allein er hielt sich die Ohren zu und lief weiter[9], indem er ausrief: „Leben, Leben, ewiges Leben!“ Er sah auch nicht einmal hinter sich[10], sondern eilte geradezu durch die Ebene hin.

Nun kamen auch die Nachbarn herbei, und als diese ihn so laufen sahen, ließen die einen ihren Spott über ihn aus, andre drohten ihm, und etliche schrien ihm nach, er solle wieder zurückkehren. Unter diesen Leuten waren ihrer zwei, die entschlossen sich, ihm nachzulaufen und ihn mit Gewalt zurückzuholen, der eine hieß Störrig, der andre Willig. Der Mann war ihnen zwar schon eine gute Strecke voraus, allein da sie sich einmal vorgenommen hatten, ihm nachzusetzen, führten sie ihren Vorsatz auch aus und hatten ihn in kurzer Zeit eingeholt. Da sprach der Mann: „Liebe Nachbarn, warum kommt ihr mir nach?“ Sie erwiderten: „Dich zu bewegen, mit uns wieder umzukehren.“ Er aber antwortete: „Das kann auf keinen Fall geschehen. Ihr wohnt in der Stadt Verderben, die ja auch mein Geburtsort ist; ich weiß aber gewiß, wenn ihr dort sterbet, es sei früher oder später, so werdet ihr tiefer hinabsinken als in das Grab, in einen Ort, der mit Feuer und Schwefel brennt. Darum besinnt euch nicht lang, liebe Nachbarn, und geht mit mir!“

Störrig. Was sagst du? Wir sollten mit dir gehen und allen unsern Freunden und Vergnügungen den Rücken kehren?

„Ja,“ erwiderte Christ — denn so hieß er — „deshalb, weil alles, was ihr verlassen werdet, nicht wert ist, mit dem Geringsten verglichen zu werden, was mir in Aussicht steht[11]. Wollt ihr nun mit mir gehen, werdet ihr alles dessen gleicherweise auch teilhaftig werden; denn wo ich hingehe, da ist kein Mangel, sondern volle Genüge[12]. Kommt, und ihr werdet finden, daß ich wahr geredet habe.“

Störrig. Was für Güter sind es denn eigentlich, die du suchst und um derentwillen du die ganze Welt verlässest, sie zu erlangen?

Christ. Ich suche ein unvergängliches und unbeflecktes und unverwelkliches Erbe, das behalten wird im Himmel (1. Petr. 1, 4), welches denen ganz gewiß zufallen wird, die ernstlich danach trachten[13]. Hier ist ein Buch; überzeugt euch selbst, wenn ihr wollt!

Störrig. Ach, geh weg mit deinem Buch! Willst du mit uns zurück oder nicht?

Christ. Daran ist nicht zu denken, da ich nun einmal meine Hand an den Pflug gelegt habe[14].

Störrig. So komm denn, Nachbar Willig, und laß uns ohne ihn wieder nach Hause gehen; es gibt eben eine Art verschrobener Köpfe, die, wenn sie einmal einen tollen Gedanken gefaßt haben, sich damit weiser dünken denn sieben, die da Sitten lehren (Spr. 26, 16).

Willig. Behandle diese Sache nur nicht so geringschätzig, mein Freund! Wenn dem so ist, wie der gute Christ da sagt, so sind die Güter, wonach er trachtet, besser als die, die wir besitzen. Ich bin daher willens, mit meinem Nachbar zu ziehen.