Nebenwege. Nun, das will ich meinen.

Christ. Bitte, wie soll ich dich denn anreden, mein Herr?

Nebenwege. Ich bin dir fremd, wie du es mir bist. Gehst du diesen Weg mit mir, so soll mir deine Gesellschaft lieb sein; wo nicht, muß ich mich auch zufrieden geben.

Christ. Von Schönwort meine ich schon gehört zu haben; es soll, wie ich mich erinnere, ein wohlhabender Ort sein.

Nebenwege. Ja, das kann ich dir versichern, und ich habe dort manche reiche Verwandte.

Christ. Bitte, wer sind denn deine Verwandten dort, wenn ich fragen darf?

Nebenwege. O beinahe die ganze Stadt und insonderheit Herr von Rückwärts, Herr von Wetterfahne, Herr von Schönwort, von dessen Ahnen die Stadt ihren Namen bekommen hat, ebenso Herr Glatt, Herr Achselträger, Herr Allerweltsfreund und unser Pfarrer, Herr Zweizüngig, meiner Mutter Bruder; kurz und gerade heraus gesagt: ich bin ein Mann geworden von sehr gutem Stande, obschon mein Großvater nur ein Bootsmann war, der nach dem einen Ufer hinsah, wenn er nach dem andern ruderte, und auch mir selbst hat dieser Beruf den größten Teil meines Vermögens eingebracht.

Christ. Bist du verheiratet?

Nebenwege. Ja, und zwar habe ich eine sehr tugendreiche Frau. Sie ist die Tochter einer ebenfalls sehr tugendreichen Mutter, und ihre Großmutter war Frau Falschheit; sie stammt also aus einer sehr vornehmen Familie und hat einen so hohen Grad von Bildung erlangt, daß sie ebensogut mit Fürsten als mit Bauern umzugehen weiß. Unser Christentum ist allerdings nicht das strengste; allein dies zeigt sich nur in zwei nebensächlichen Punkten: Wir fahren niemals gegen Wind und Strom und sind immer nur dann eifrig, wenn das Christentum in silbernen Pantoffeln geht; wir bekennen uns dazu, wenn die Sonne scheint und alles Volk uns zujauchzt.

Christ wendete sich zu Hoffnungsvoll, indem er ihm zuflüsterte: „Es fällt mir ein, daß dies ein gewisser Nebenwege von Schönwort sein muß. Ist er es, so haben wir an ihm einen argen Schelm, wie’s nur einen in der ganzen Gegend geben kann.“