Nebenwege. Meinen alten Grundsätzen gedenke ich nicht untreu zu werden, sind sie doch harmlos und vorteilhaft. Wollt ihr mich nicht mit euch ziehen lassen, so tue ich wie vorher und gehe allein, bis mich jemand einholt, der mit meiner Gesellschaft zufrieden ist.

Ich sah nun in meinem Traum, daß Christ und Hoffnungsvoll ihn verließen und in einiger Entfernung vor ihm hergingen. Als aber einer von ihnen sich umwandte, sah er, daß drei Männer dem Herrn Nebenwege eiligst nachkamen und ihn mit tiefer Verbeugung begrüßten, deren Gruß er mit gleicher Höflichkeit erwiderte. Die Namen dieser Männer waren: Herr Haltwelt, Herr Geldlieb und Herr Sparmann. Sie erkannten einander sogleich als Schulkameraden, denn sie waren miteinander bei einem gewissen Herrn Greifmann zur Schule gegangen, einem Schulmeister im Marktflecken Gewinnsucht in der Grafschaft Habsucht, die im Norden liegt. Dieser Lehrer unterwies sie in der Kunst, etwas an sich zu raffen, es sei durch Gewalt oder durch Betrug oder Schmeichelei oder mit Lügen oder auch unter dem Schein, ein gutes Werk dabei zu tun. Und diese vier Herren hatten es in dieser Kunst ihres Lehrers selbst auch zur Meisterschaft gebracht, daß jeder von ihnen einer solchen Schule hätte vorstehen können.

Nach der gegenseitigen Begrüßung sprach Herr Geldlieb zu Herrn Nebenwege: „Wer sind diese vor uns?“ denn Christ und Hoffnungsvoll gingen nur in geringer Entfernung voraus.

Nebenwege. Das sind entfernte Landsleute von uns, die auf ihre besondere Weise eine Pilgerreise machen.

Geldlieb. Ei, warum warten sie nicht auf uns, daß wir uns ihrer Gesellschaft hätten erfreuen können? Denn wir sind doch allesamt Pilgrime.

Nebenwege. Ja, das sind wir wohl; aber diese Männer sind so streng, sie hängen so sehr an ihren eigenen Begriffen; sie schätzen die Meinungen andrer so gering, daß sie den Allerbesten, wenn er nicht in allen Dingen mit ihnen übereinstimmt, aus ihrer Gesellschaft stoßen.

Sparmann. Das ist schlimm; wir lesen von gewissen Menschen, die allzu gerecht und deshalb so streng sind, daß sie alle verdammen, nur sich selbst nicht. Aber sage mir, in was für Punkten stimmtet ihr nicht überein?

Nebenwege. Nach ihrer schroffen Art meinen sie jedem Wetter Trotz bieten zu müssen; ich dagegen bin dafür, Wind und Wetter abzuwarten. Sie wollen für Gottes Sache alles wagen; ich suche jeden Vorteil zu benutzen, um Leben und Vermögen sicherzustellen. Sie halten an ihren Grundsätzen fest, und wenn sie alle Menschen gegen sich hätten; aber ich stelle mich in Religionssachen so, wie Zeit und Umstände und eigene Sicherheit es erfordern. Sie halten es mit dem Christentum auch im Bettlergewand und unter Verachtung; ich aber bekenne mich nur dann zu ihm, wenn es in goldenen Pantoffeln im Sonnenschein einhergeht und Beifall erntet.

Haltwelt. Ganz recht! Dabei bleibe nur, mein werter Herr Nebenwege! Ich kann den nicht anders als für einen Toren erklären, der das, was er sich bewahren könnte, dennoch verliert. Laß uns klug sein wie die Schlangen! Heu muß man machen, solange die Sonne scheint. Im Winter liegt die Biene still; wenn die Blumen blühen, da regt sie sich. Gott schickt zuweilen Regen, zuweilen Sonnenschein. Sind sie töricht genug, im Regen zu wandern, so wollen wir auf günstiges Wetter warten. Ich muß gestehen, diejenige Religion ist mir die liebste, bei welcher wir die Gaben Gottes, mit denen Er uns gesegnet hat, bewahren können. Wer sich von seinem gesunden Menschenverstand leiten läßt, muß erkennen, daß Gott, da Er uns einmal die Güter dieses Lebens reichlich mitteilt, auch haben will, daß wir sie um Seinetwillen genießen sollen. Abraham und Salomo wurden reich bei ihrer Religion, und Hiob sagt, daß dem Gerechten Silber in Fülle zufallen soll (Hiob 22, 25, a. Übers.). Aber dann muß man nicht sein wie diese Männer, die du uns beschreibst.

Sparmann. Ich denke, wir sind hierüber alle einig und brauchen also kein Wort weiter zu verlieren.