Als sie sich öffnete, schob er das Weib beiseite, das bei seinem Anblick wie erstarrt war. Es war das erstemal, daß er unerwartet kam. Er kümmerte sich nicht im geringsten um die Fragen und Beteuerungen, daß Madame nicht zu Hause sei. Er hörte nicht hin, er verstand das Kauderwelsch nicht. Er wollte Madame erwarten, sagte er kurz. Sie würde schon kommen.
Er riß die Tür zu dem großen Zimmer auf. Es war beleuchtet und warm,
wie immer. Aber sie war nicht da. Sie war auch nicht im Schlafzimmer.
"Ich werde Madame erwarten," sagte er nochmals, und mit solchem
Ausdruck in dem blassen Gesicht, daß sich die Alte endlich mit
Jammern und Wimmern zurückzog. Felder merkte es nicht einmal.
Er lief im Zimmer umher und warf überall rücksichtslos die Gegenstände durcheinander. Er suchte den kleinen Schlüssel zu dem Armband. Als er nicht fand, was er suchte, begann er die Arbeit an seinem Handgelenk von neuem: er zerbrach eine goldene Hutnadel und eine Schere, er zerrte, bis seine Finger bluteten. Endlich gab er es auf, warf sich in einen Sessel und wartete.
Wie lange?—Er hatte keine Ahnung.
Das Licht der Ampel trieb das Dunkel in die Ecken des Gemaches und ein schwaches Rot auf seine Wangen, wie die Röte der Scham.
Ja, er schämte sich. O, wie er sich schämte!—
Er hätte weinen mögen und konnte es nicht. Die innere Wut erstickte seine Tränen.
Er lag wie in einem Halbschlummer.
Plötzlich führ er empor. Er hörte draußen Stimmen: das klagende Wimmern der Alten und ihren herrischen, empörten Aufschrei der Verwunderung. Die Tür wurde aufgestoßen, und sie stand vor ihm: hochaufgerichtet, in großer Toilette, die Arme und die herrlichen Schultern entblößt, Zorn in den Augen und auf den roten Lippen. "Wer ist hier?—Du?—Was willst du hier?—Wer hat dir erlaubt—"
Er ging auf sie zu. Die ganze Raserei dieser Nacht brach in ihm los.
Als sie seine Augen sah, wußte sie alles. Aber sie hatte keine Angst.
Sie kannte keine Furcht und ihre Lippen verzogen sich leise und
spöttisch.