Nicht mit solchen Worten sagte er sich dies alles, aber er empfand es alles so und fühlte, daß es wahr war. Und er hätte schreien mögen, schreien vor Wut und vor Scham… Ihn, ihn hatte sie nicht bezahlt, nein, das hatte sie nicht gewagt!—Aber wie lange noch, und es wäre auch dahin gekommen. Wieviel versteckte Anerbietungen hatte sie ihm nicht schon gemacht, wie oft nicht versucht, mit ihm scherzhaft oder gleichgültig von Geld zu sprechen, diesem Gelde, das sie verachtete, weil sie es durch Arbeit nicht verdiente: damit er es nehmen solle von ihr als—Lohn…

War ihm selbst nicht eines Tages, wenn auch nur ganz flüchtig, der Gedanke gekommen, eines dieser Anerbietungen, nicht anzunehmen, o nein, aber als Darlehen zu benutzen, da es mit seinem Gelde zu Ende ging, als Darlehen für eine kurze Zeit, bis er sich in England durch neue Siege neues geholt?—Es war nicht dazu gekommen, es war bei dem flüchtigen Gedanken geblieben. Aber er hatte ihn doch gedacht…

Auch gegen Geschenke hatte er sich bis heute gewehrt. Das einzige, was er je angenommen, war das Band an seinem Handgelenk, die Kette von Gold.

Aber sie war nicht unzerbrechlich. Sie band ihn nicht an sie.

Er griff mit den Fingern der lenken Hand zwischen sie und das Fleisch und versuchte sie abzustreifen, obwohl er wußte, daß es nicht ging. Und seine Wut stieg, als er sah, wie vergeblich es war.

Aber das sollte ein Ende nehmen, jetzt gleich, noch heute abend!

Er riß sich aus dem Hinbrüten auf und rief nach dem Wirt. Er hatte vier Stunden auf diesem Fleck gesessen. Als er nach der Uhr sah, war es gegen Elf.

Der Regen draußen war stärker geworden. Felder fühlte ihn nicht. Er ging der Friedrichstadt zu.

Das Haus war offen. Natürlich: dieses Haus war nachts immer offen, und die Treppen lagen in ihrem ewigen Zwielicht. Weshalb war ihm das nie so aufgefallen, wie heute?—

Er klingelte an ihrer Tür. Er klingelte nochmals. Endlich hörte er die schlürfenden Schritte der Alten und ihre Stimme. Er schlug gegen die Tür und rief um Einlaß.