Er nahm die Spreu in die Hand.

Es war sein erster Siegeskranz: erfochten als Knabe in dem ersten kleinen Schwimmen, seinem ersten schüchternen Versuch, seinem ersten Siege. Und wie er sah, was es war, was er in seiner Hand hielt, da sah er zugleich sich und sein ganzes Leben; und es schien ihm, als seien alle diese Kränze, die bedruckten und beschriebenen Urkunden, diese Bilder an den Wänden, zerstaubt, zerfallen und zu nichts geworden, wie dieser hier, und nichts von allem übriggeblieben, als ein kleiner Haufen dürren Staubes, zu dem am Ende alles Leben wird.

Da wandte er sich ab von diesen zerfallenden und leblosen Dingen, diesen modernden Leichen des Gewesenen, und eine schreckliche Sehnsucht nach dem, was allein noch Leben für ihn war, ergriff ihn.

Er kleidete sich hastig an und ließ alles hinter sich.—

Er ging den ganzen Nachmittag durch die Hitze und den Staub und das Menschengewühl des Sonntags: durch den Park von Treptow, grau und nüchtern unter dem Sommerstaube, an den Eierhäuschen an der Spree vorbei, teils am Ufer, dann auf der trostlosen Landstraße, die bedeckt war mit Fuhrwerken und Radlern, bis Köpenick, wo er in dem Vorgarten irgendeiner Wirtschaft ein Glas Bier trank. Und so ging er weiter, bis er nach Grünau kam—Stunde auf Stunde ging er so den langen, dunstigen Nachmittag, und überall, wo er hinkam, waren die Gärten voll von Menschen, und auf den dämmernden Uferwegen tauchten immer neue Gestalten auf, die sich noch nicht entschließen konnten, die köstliche Frische des Abends einzutauschen gegen die dumpfe Häusermasse der großen Stadt.

Er aber mußte allein sein, ganz allein, und so ging er, ohne Hunger und Durst zu empfinden, durch Grünau und vorbei an dem Sportplatz, der dunkel und leer dalag; und sein Herz war so müde und mutlos, daß es selbst hier nicht einmal mehr höher schlug … weiter und weiter, immer an den wegelosen Ufern der weiten Seen entlang…

Endlich war er allein. Endlich begegnete ihm niemand mehr.

Es war spät in der Nacht.

Kein lebendes Wesen zeigte sich hier mehr in dem weiten Umkreise von
Himmel, Wald und Wasser…

Da stand er still und entledigte sich seiner Kleider.