—Kennen Sie mich denn wirklich nicht mehr, Herr Felder?—
Er sah seine Nachbarin überrascht an. Schon als er sich setzte, war sie ihm aufgefallen, und er hatte gedacht, wer sie wohl sei. Sie war noch ganz jung, etwa in seinem Alter, und sehr elegant gekleidet: ein weißes Sommerkleid mit rotem Besatz, ein großer Strohhut, blonde Haare und ein Stumpfnäschen, sehr hübsch und schon recht selbstbewußt—so kam sie ihm vor. Er sah ihr nun gerade ins Gesicht; dann sagte er aufs Geratewohl:
—Aber gewiß, Fräulein, voriges Jahr auf dem Bundesfest…
Er hatte sie nie gesehen. Es kam überhaupt selten vor, daß er mit
Damen sprach. Höchstens auf den Vereinsvergnügungen oder auf den
Schwimmfesten, wo er von den Damen, die den Sieger in der Nähe sehen
wollten, zum Tanze geholt wurde, machte er eine flüchtige
Bekanntschaft.
Sie lachte laut.
—Nein, sagte sie, es ist viel länger her…
—Viel länger her?—
Er wußte nicht, was sie meinte. Er wußte es wirklich nicht, soviel er sie auch ansah.
Sie lachte noch immer; dann kam sie ihm zu Hilfe.
—Na, wir haben doch immer zusammen gespielt, als wir noch Kinder waren. Wissen Sie denn nicht mehr, in der Fruchtstraße, im Hof, da wohnten wir doch. Vatern gehörte doch dazumalen das Haus…