Es war ihr zweites Mittel, mit diesem Manne fertig zu werden. Ihr drittes und letztes waren die Tränen. Aber zu diesem wollte sie erst greifen, wenn alle anderen erschöpft waren.
"Ja, Clara, wenn du nicht weißt, was du tun sollst, wer soll es dann wissen?"
Sie sah ihn an mit ihren hellen Augen, wie ein hilfloses Kind.
"Du bist doch hergekommen, um mir zu helfen."
Er stand auf. Diese Frau verstand nichts, sie konnte und wollte nichts verstehen.
Er mußte sie zwingen, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen, vor denen sie floh, feig, jammernd und haltlos.
Er blieb vor ihr stehen.
"Nach deinem Briefe mußte ich annehmen, daß du den unwiderruflichen Entschluß gefaßt hattest, dich von deinem Manne auf immer zu trennen, da du ein Weiterleben mit ihm als unmöglich erkannt hast. In der Ausführung dieses Entschlusses, dir zu helfen, bin ich hergekommen, nicht aber, um dich in deinen Entschlüssen zu beeinflussen. Und auch nicht, wie du dir vorhin glauben zu machen suchtest, um diese Stadt, die mir ganz uninteressant ist, und alte Bekannte, von denen ich nichts mehr weiß, und die nichts mehr von mir wissen wollen, wiederzusehen, oder auf eure Bälle und in eure Gesellschaften zu gehen, denn ich verkehre überhaupt nicht in bürgerlichen Kreisen.—Meine Zeit ist sehr bemessen—"
Er ging hastig umher. Sie fürchtete sich vor ihm.
"Aber du hast mich gerufen mit dem Schrei nach Hilfe. Läßt man den Sinkenden vor seinen Augen untergehen, wenn man seine verzweifelnde Stimme vernimmt? Und wenn"—so unterbrach er sich unwillkürlich lächelnd—"ich dich auch nicht auf dem offenen Meere kämpfen sah, so sah ich dich doch ringen mit der trüben Flut dieses—Teiches."