Mit verständnislosen Augen sah sie vor sich hin.
"Und in der Ehe?"—fragte sie unsicher.
"Bemitleidet der Mann heimlich die Frau, während die Frau ihn heimlich belächelt."
Verstohlen blickte sie ihn von der Seite an.
Woher weiß er das?—war ihr erster Gedanke.
"Es gibt doch so viele glückliche Ehen—"
"Wie viele kennst du?"
"Nein—, aber—"
"Nun, ich leugne es. Es gibt verschwindend wenige. Was Glück genannt wird, ist Zufriedenheit. Und was Zufriedenheit scheint, ist nur Gewöhnung jene Gewöhnung der schwächlichen Ohnmacht, die davor zurückschaudert, Ketten zu brechen, und in feiger Nachgiebigkeit Schritt für Schritt zurückweicht, Stück um Stück ihrer eigenen Würde, ihrer eigenen Freiheit und—was das Traurigste ist—ihres eigenen Glückes opfert, um das zu werden, was eine alberne Oeffentlichkeit einen guten Ehegatten, ein treues Eheweib nennt."
"Aber wie denkst du dir denn—" begann sie zu wiederholen.