"Ja" sagte sie endlich. "Sie haben recht. Ich muß fort von hier. Ich will es selbst. Und auch darin haben Sie recht: es soll bald, es soll sofort sein.—Meine Ferien beginnen erst in acht Tagen. Aber ich kann mich vertreten lassen. Es ist das erste Mal, daß ich eine Hilfe dieser Art in Anspruch nehme, und da es auch das letzte Mal ist, habe ich keine Ursache, eine Zustimmung erst abzuwarten. Es genügt, wenn ich dem Direktor die Anzeige meines Fortgehens mache.
Auch meine Verhältnisse kann ich sofort ordnen.—Aber bevor ich mit
Ihnen gehe, müssen Sie die folgenden Bedingungen annehmen:
Ich liebe meine Freiheit über alles, wie Sie die Ihre. Wir werden also vollständig, in jeder Beziehung, unabhängig voneinander sein. Wir werden uns gegenseitig verschonen mit allen läppischen Zudringlichkeiten an Zeit und Stimmung. Wollen wir einen Weg nicht zusammen miteinander gehen, so geht jeder seinen eigenen. Und—was das Wichtigste ist—wir werden uns trennen in der ersten Stunde. in der wir—anfangen werden, uns miteinander zu langweilen."
Sie beugte sich vor und sah ihn mit ihren schönen, klugen Augen an.
"Wollen Sie auf diese Bedingungen eingehen, Grach, dann geben Sie mir nochmals die Hand."
Er griff nach ihren beiden Händen.
"Dora Syk," rief er in jugendlicher Begeisterung, "weiß der Himmel, aber Sie sind doch die herrlichste Frau, die ich je in meinem Leben kennen gelernt habe!"
Da lachte sie hell auf, und der Bann zwischen ihnen war gebrochen.
Frage auf Frage und Antwort auf Antwort folgten nun in buntem
Wirbel.
Nach Paris wollten sie gehen. Noch heute Abend. Mit dem Schnellzug um halb elf Uhr. Morgen früh waren sie dort. Er zweifelte, daß sie bis zehn Uhr fertig sein könnte. Gewiß, drei Stunden würden genügen für sie. Hatte sie doch von niemand hier Abschied zu nehmen.
Aber lange hier bleiben durften sie dann nicht mehr. Welche Zeit war es denn? Schon sieben! Ja, es war dunkel schon unter den Bäumen. Einen Abschied aber wollte sie doch noch nehmen: von der Kleinen, die sie so oft hier bedient, und mit der sie so manches freundliche Wort getauscht, in der Einsamkeit ihrer vielen Stunden, die sie hier verbracht.